Die Wurmkiste und Wurmturm

Ich möchte euch heute gerne die Wurmkiste (meist aus Holz) bzw. den Wurmturm (meist aus Kunststoff) vorstellen. In beiden zersetzen Kompostwürmer (zumeist aus der Familie Eisenia) eure Grünschnittabfälle innerhalb weniger Wochen zu hochwertigem Wurmhumus, über den sich jede Pflanze im Haus oder Garten als Beigabe (bis ein Viertel) freuen wird. Gleichzeitig verringert man das eigene Müllaufkommen und -geschleppe und reduziert den Biomüllgeruch – denn eine Wurmkiste/Wurmturm riecht im Gegensatz zu Biomülltonne und entgegen der Befürchtung vieler nicht.

Offene Wurmkiste

Warum überhaupt?

Kompostieren lohnt immer: das Gewicht von Grünabfälle basiert auf bis zu 80% auf dem enthaltenden Wasser, dass bei der Kompostierung einfach verfliegt und der Rest ist hochwertige Dünger. Indoor macht das dann Sinn, wenn der Garten zu weit weg ist, es gerade Winter ist oder gar kein Garten greifbar ist. Die Modelle kann man sowohl drinnen, auf dem Balkon, dem Dachboden oder auf der Terrasse stehen haben. Je nachdem wo sie stehen halten sich insbesondere Holzmodelle unterschiedlich lang.

Was ist eine Wurmkiste?

Eine Wurmkiste ist zunächst einmal einfach eine Kiste – meist aus Fichtenholz – möglichst getrennt in zwei oder mehr Fächer z.B. durch einen einsetzbaren Rahmen, der mit einem Drahtnetz bespannt ist oder einem Trennbrett mit eingebohrten Löchern durch die die Würmer wandern können. Vorteil der Wurmkiste: schicke, natürliche Optik und als Sitzbank geeignet. Nachteile der Wurmkiste: Die Kisten sind recht teuer, die Ernte ist schwieriger und Wurmtee kann man leider gar nicht ernten. Auch muss man aufpassen, dass man nicht zu viel Feuchtigkeit einträgt, da die Kisten sonst lecken können, was auf dem Balkon egal ist. Nicht zu vergessen ist, dass Wurmkisten den Witterungen ausgesetzt nach ein paar Jahren durch sind.

Was ist ein Wurmturm?

Viele Wurmtürme bestehen aus vertikal übereinander geschichteten Kunststoffschalen, die nacheinander aufgesetzt werden: man beginnt mit einer Schale, sobald diese voll ist, setzt man die zweite drauf usw. Die Würmer wandern durch die Siebböden jeweils in die Schale mit neuen Grünabfällen. Da die Würmer wandern, ist die Erde im untersten Fach dann wurmfrei und kann geerntet werden und dann wieder als nächstes oben aufgesetzt werden: der Kreislauf läuft. Der Komposttee sammelt sich ganz unten und kann via Hahn entnommen werden. Einfachere Modelle bestehen aus hohen Kunststoffcontainer, der innen unterteilt ist, sodass frische Grünabfälle und fertige Komposterde und Wurmtee getrennt sind. Vorteil des Wurmturms: Kunststoff verrottet nicht und ist dicht. Holzkisten sind nach ein paar Jahren durch, dass ist uns mit den Kunststoffmodelle noch nicht passiert. Nicht unerheblich ist auch, dass Wurmtürme dicht sind und nicht lecken: passiert mit den Holzmodellen auch nicht oft, aber mit den Kunststoffmodelle nie. Wem Kunststoff unangenehm ist: es gibt auch Modelle aus lebensmittelechtem Kunststoff. Auch sind Wurmtürme in der Regel deutlich günstiger als Wurmkisten. Und, der wichtigste Vorteil: man Wurmtee ernten! Nachteile der Wurmtürme: sie sind nicht ganz so schick und man kann nicht auf ihnen sitzen.

Wie funktioniert der Betrieb?

Wie füttern? Den Würmern in der Kiste füttert man mit kleingeschnittenen Grünabfällen. Im Wurmturm sind die kleingeschnittenen Grundabfälle in die jeweils oberste Schale zu füllen. Die Grünabfälle oder den Grünschnitt entweder per Hand oder (vorsichtig) per Schaufel etwas untergraben. Besonders wohl fühlen sich die lichtscheuen Würmer, wenn man die Fächer mit nasser Pappe (kein Hochglanz und möglichst wenig Druckerschwärze) abdeckt. Gelegentliches Gießen mit abgestandenem Wasser nicht vergessen und das war es.

Was füttern? Ideal sind Tee- und Kaffeesatz inklusive Filter, Kartoffelschalen, Tomaten-, Salatreste, Gurkenschalen, alte Schnittblumen, zerkrümelte Eierschalen, Haare von Mensch und Tier, Obstschalen (wenig Zitrusfrüchte und wenn nur ungespritzt) sowie altes trockenes Brot. Natürlich kann man auch abgeschnittenes Grün vom Balkon nehmen.

Was nicht füttern? Grünschnitt aus dem Garten ist zu viel: der gehört auf einen Komposthaufen. Auch nicht so gut sind Zwiebelschalen (obwohl ich sie ihnen z.T. auch gebe) und zu vermeiden sind schimmelnde Essensreste sowie Fleisch, Fisch und andere leicht verderbliche Speisen, da es sonst doch riechen könnte.

Woher bekommt man eine Wurmkiste oder Wurmturm?

Eine Wurmkiste aus Holz kann man selbst bauen oder z.B. hier kaufen (circa 280 EUR). Ein Wurmturm aus lebensmittelechtem Kunststoff kann man sich z.B. hier bestellen (circa 79 EUR). Die dazu benötigten Würmer gibt es hier. Unsere erste Kiste findet sich oben auf dem Bild (siehe oben). JH experimentiert jedoch schon seit vielen Jahren mit Wurmkisten und Wurmtürmen und hat schon viele verschiedene Modelle ausprobiert – Holz wie Kunststoff. Nachlesen könnt ihr auf ihrer Seite: hier.

Und wie geht es jetzt los?

Holzkiste: Zu Beginn legt man beide Fächer mit circa 5-10 cm frischer Komposterde aus, gibt die Würmer in ein Fach und gibt nun abhängig vom Wurmbesatz unterschiedlich große Mengen Grünabfälle immer nur in ein Fach hinzu.

Wurmturm: Die bringen meist ihre eigene Anleitungen mit. Aber es ist auch nicht kompliziert. Wie schon oben beschrieben wird mit einer Schale begonnen. Diese füllt man mit etwas Komposterde, die entweder mitgeliefert ist oder die man sich hier bestellen oder aus dem Baumarkt oder dem eigenen Garten besorgen kann.

Zu wenig Würmer?

Wer wenig Würmer hat, gibt am besten zu Anfang nur wenig (200g Grünabfälle pro Woche hinzu), später kann die Menge gesteigert werden. Guckt immer wieder mal nach, um zu sehen, ob die Würmer schneller geworden sind. Pro 500 Würmer können bis zu 250g Grünabfälle pro Tag zugegeben werden. Wer nicht lang warten möchte, bis die Kiste voll einsetzbar ist, kann sich hier für 20 Euro 500 Würmer dazu bestellen. Besser sind 1000 Würmer, dann verarbeitet eure Kiste 500 Gramm Abfälle pro Tag. Beim Bestellen von Würmern ist darauf zu achten, dass jemand am Tag der Ankunft der Würmer vormittags da ist, damit sie nicht ersticken.

Die Ernte

Die Würmer werden sich immer in der Kammer bzw. der Etage aufhalten, in der wir neuen Grünschnitt (=Wurmessen) nachlegen.

Bei der Zwei-Kammer-Wurmkiste beginnen wir 8 Wochen bevor wir ernten wollen damit Grünabfälle nur in das Fach zu füllen, aus dem wir nicht ernten wollen. Die Würmer wandern in dieses Fach und wir können aus dem anderen wurmfreien Kompost für Balkon-, Topf oder Gartenpflanzen ernten.

Beim Wurmturm arbeitet man von unten nach oben. Ist die unterste Schale voll, kommt das nächste Schale drauf, in dem die Würmer zu Werk gehen. Nach einigen Wochen sind alle Würmer aus der ersten, nun mit Erde vollen Schale nach oben, in die darüberliegende Schale gewandert und die unterste Etage kann herausgekommen und die Erde geerntet werden. Das ist schon etwas einfacherer als bei der Wurmkiste. Den Wurmtee kann man nur im Wurmturm ernten und zwar immer, wenn er anfällt. Haltet ggf. ein paar Flaschen dafür bereit – so könnt ihr euch dann einen Vorrat an Flüssigdünger aufbauen und bei anderen Gartenfreunden z.B. gegen Gemüse, Obst oder Honig eintauschen 🙂

Einkammer-Wurmkiste: Falls ihr eine Wurmkiste wollt, die nur eine Kammer hat, kann man natürlich auch ernten, es ist aber etwas schwieriger. Ihr füttert die Kiste für ein 1-2 Wochen nicht – keine Angst, die Würmer verhungern dann nicht sofort. Schaut immer mal einmal rein und sobald ihr nur noch Erde und keine oder nur noch wenig unverarbeitete Grünabfälle seht, entnehmt einen Teil des Humus aus der Kiste und packt es  – z.B. auf eine Matte oder Plastikfolie – und sammelt dort die Würmer bzw. unverarbeitete Grünabfälle ab. Tut die Würmer anschließend zurück in die Kiste und füttert sie dann einfach weiter wie bisher. Wer Wurmhumus draußen anwenden will, kann natürlich auch ein paar Würmer mit ins Freie lassen – gerade auch dann, wenn man irgendwann viele Würmer hat.

Und im Winter?

Im Winter ist die Kiste bzw. der Turm am besten drinnen (z.B. im kühlen Keller oder dem Dachboden) zu lagern – in dieser Zeit ist auch kein oder nur sehr wenig Grünabfall einzufüllen. In dieser Zeit könnt ihr eure Grünabfälle per Bokashi verarbeiten. Sobald es nicht mehr friert kann die Kiste nach draußen oder auf den Balkon gestellt werden. Alternativ kann die Kiste aber auch drinnen behalten und dort dann ganzjährig betrieben werden. Es gibt regelrecht sehr ästhetische Kompostkistenbänke bzw. -truhen, die auch zum darauf Sitzen geeignet sind. Kosten aber auch.

Wir haben einige Holzkiste und Kunststoffmodelle selbst gebaut und auch verschiedene gekaufte. Die eine Kiste steht unweit der Küche im kleinen Flur direkt vor der Haustür. So ist der Weg von der Küche nicht weit. Weitere Modelle aus Kunststoff, Holz sowie Bukashi-Ansätze (wir haben das Organico Bokashi-Set bestehend aus 2 Eimern) stehen bei uns auf dem Dachboden, dass ganze Jahr über. Früher hatten wir zwei Modelle auf dem Balkon stehen. Allerdings baut JH dort jetzt mehr an, sodass dort kein Platz zum Kompostieren ist.

Fazit

Die Wurmkompostierung ist eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, die Ressource „Bioabfälle“ produktiv zu nutzen und so das Müll- und Mülltransportaufkommen zu reduzieren, sowie hochwertigen biologischen Dünger für die eigenen Pflanzen zu produzieren.

Wer noch Fragen hat: stellt sie gerne in den Kommentaren. Wer noch etwas mehr als nur diesen Artikel und ggf. weitere Artikel im Internet lesen möchte, dem empfehle ich das Buch: Kompost aus der Kiste: Wurmkisten für den Hausgebrauch selbst bauen. Das Buch ist liebevoll gestaltet und enthält viele Hintergrundinformationen zu allen Modelltypen, zum Bodenleben und vieles mehr.
Wenn ihr die Kiste nicht selbst bauen wollt, dann empfehle ich euch mit einem vertikeln Modell aus Kunststoff zu beginnen, weil es etwas einfacher ist und ihr den Wurmtee nutzen könnt. Außerdem ist der Turm leichter transportierbar als eine schwere Holzkiste (ist beim Umzug schon echt hart!). Und: er nimmt auch eine kleinere Grundfläche ein. Gut ist dieses Modell: Wurmkomposter von Original Organics
(Bild links).

Viel Spaß mit euren Würmern!

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0 Kommentare zu Die Wurmkiste und Wurmturm

  1. Valeska sagt:

    Das sind gut komprimierte Informationen zur Wumrkiste. – Danke! Wir haben uns auch vor kurzem eine solche Kiste bestellt, heute ist sie dann endlich gekommen. Ich bin ganz optimistisch, dass das Prinzip gut funktionieren wird. Allerdings stellte sich mir beim Aufbau auf unserem Balkon die Frage, ob und wie man die Holzkiste gegebenenfalls pflegen muss, damit das Holz den Witterungseinflüssen lange standhält. Wie sind da eure Erfahrungen? Über eine Antwort würde ich mich freuen.

  2. Pingback: Wurmkiste Kompostieren auf dem Balkon

  3. hannes sagt:

    Danke für die Vorstellung eine Wurmkiste. Das ist eine echte Alternative zum Komposter. Im Garten habe ich ja einen Komposter stehen. Im Winter ist das allerdings ein Problem – Schnee, alles ist gefroren usw. Für diesen Winter werde ich mir nun eine Wurmkiste im Keller zulegen, dann habe ich für das Frühjahr einen super-biologischen Dünger und selbstgemacht. Viele Grüße Hannes

  4. Pingback: Kompost in der eigenen Wohnung? Richtig gemacht, aber sicher! : Plan A

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