Tinyhouses – kleine liebevolle Wohnorte

Quelle: Wikipedia. (posted to Flickr by RowdyKittens; CC BY 2.0)

Wohnen ist in der Regel die größte Ausgabe, die wir uns leisten. Und tatsächlich ist die mittlere Wohnfläche pro Bewohner ständig angestiegen. Nach der 80-20-Regel ist es jedoch am effektivsten, bei den größten Ausgabeposten einzusparen. Man kann sagen: wenn wir uns beim Downsizing allein auf die Themen Wohnen und Mobilität beschränken, dann könnte fast jeder früher aufhören zu arbeiten oder weniger arbeiten oder entspannter leben. Miete kostet jährlich durchschnittlich 4090,14€ (46,5m² zu 7,33€/m² x 12 => 12 x 340,84€): wer sie reduzieren kann, sollte das tun. Mögliche Ansätze sind: Wohnraum teilen, Wohnen in weniger attraktiven Gegenden, kleiner Wohnen, unkonventionell wohnen. Neben dem Wohnen zur Miete gibt es auch das Eigenheim.

Warum also nicht ein eigener Wohnort? So denken und handeln viele: denn neben dem mutmaßlichen finanziellen Aspekt ist der eigene Wohnort nach wie vor Gegenstand sehnsüchtiger Träume. Leider kann er aber auch große Kosten und Schulden verursachen und bewirkt damit nicht selten familiäre Zerwürfnisse. Dieser Artikel soll aber keine Schmährede gegen das Eigenheim werden (die findet ihr hier ;-)).

Kombinieren wir stattdessen nun die Konzepte Eigenheim mit unkonventionell wohnen und kleiner Wohnen, dann kommen wir beim Tinyhouse – also einem winzigen Haus – an. Was ein Tinyhouse ist und was nicht, ist nicht streng definiert: Für gewöhnlich gilt aber jedes Haus mit einer Grundfläche von 46m² oder weniger als Tinyhouse.

Warum Tinyhouses?

So sieht eine mögliche Innenausstattung aus.Quelle: Wikipedia. (posted to Flickr by RowdyKittens; CC BY 2.0)

Finanzielle Aspekte. Tinyhouses bieten  eine finanzierbare alternative zum klassischen Wohnraum. Typische Preise bewegen sich zwischen 20.000 und 50.000 EUR: wobei es wie sonst auch überall auch deutlich teurer, aber auch billiger geht – vor allem, wenn man selbst mehr Hand anlegt und je mehr man auf recycelte Materialen setzt. Das untere Ende hat der kalifornische Künstler Gregory Kloehn erkundet: er baut aus geretteten Baumaterialien mobile Tinyhouses für weniger als 100 EUR. Damit hat er schon vielen Menschen aus der Obdachlosigkeit geholfen. Neben dem Anschaffungspreis ist auch mit geringeren Betriebskosten zu rechnen: Heizung, Instandhaltung und Steuern werden billiger sein als in „normal“ großen Häusern. Tinyhouses werden nicht selten von älteren Menschen mit geringen Ersparnissen und/oder geringer Rente bevorzugt, zumindest in den USA und Kanada. In Deutschland sieht es aktuell noch etwas mau aus. Wer wie ich ganz bewusst finanziell ein kleineres Rad schwingt und deutlich unter seinen Möglichkeiten lebt, für den ist ein Tinyhouse eine überlegenswerte Alternative. Wenn es auch nicht ganz dasselbe ist, betrachte ich meine Wohnung mit 39 Quadratmetern, die ich mir mit JH teile, als Tinyhouse im festen Haus. Und auch als Probe für den Umzug in ein „echtes“ Tinyhouse in ein paar Jahren.

Ökologische Aspekte. Tinyhouses sind auch eine ökologische Alternative zum „normalen“ Wohnen in Mietswohnungen oder festen Häusern: denn es ist sowohl weniger Energie für den Bau, als auch für den Betrieb nötig, als für klassische Behausungen aus Beton. Da für ein Tinyhouse eine viel geringere Grundfläche nötig ist, kann von einem Grundstück gleichzeitig mehr Fläche für die (Teil-)Selbstversorgung genutzt werden. Ein weiterer ökologischer, aber auch gesundheitlicher Vorteil: denn frischer als aus dem eigenen Garten wird es nicht mehr. Beim Wohnen in einem Tinyhouse lässt sich einfacher Offgrid leben – d.h. ohne den Anschluss an die Kanalisation, das Stromnetz usw. – gerade in der mobilen Variante für einen Campingplatz sollte es auch rechtlich einfacherer sein: dafür empfehle ich euch aber, euch ggf. separat zu informieren, wenn ihr hier Blut geleckt haben solltet.

Einfaches Leben. Wie oben schon angedeutet, hat die Tinyhouse-Bewegung ihre Wurzeln im Simple Living, also der Bewegung hin zum einfacheren Leben. Die kleinere Fläche schränkt automatisch die Möglichkeiten ein, sich mit ohnehin überwiegend unnützen Konsumgütern einzudecken. Das ist sehr befreiend! Und, es hat selbstredend zusätzlich positive finanzielle und ökologische Auswirkungen: man verbraucht weniger, muss so weniger arbeiten und hat mehr Zeit für die Selbstversorgung, die Eigenarbeit, für Hobbys, Freunde oder was einem sonst noch Spaß macht. Durch raffinierte Kombinutzung von Flächen und Einrichtungegegenständen, ist es möglich, sehr gut auf kleinstem Raum zu leben. Tinyhouses fördern die Idee und Schönheit einer kleineren, einfacheren und menschlicheren Existenz.

Häufig werden Tinyhouses mit Wohnwagen verglichen. Tinyhouses sind jedoch so gebaut, dass sie genauso lange halten wie  traditionelle Häuser. Außerdem werden für den Bau von Tinyhouses eher Baumaterialen und -prinzipien angewandt wie bei traditionellen Häusern. Auch ästhetisch ähneln sie „richtigen“ Häusern stärker, als Wohnwagen das tun.

Hintergrund, Literatur, verschiedene Konzepte

Populär wurden Tinyhouses durch Jay Shafer, der mobile Tinyhouses gestaltete und in einem mit einer Größe von 8,9 Quadratmeter wohnte. Später gründete er u.a. Tumbleweed Tiny House Company. Dort kann man sich Pläne und Trailer für den Eigenbau oder auch gleich ganze Tinyhouses inklusive Finanzierung kaufen. Die Pläne sollte man für Deutschland jedoch nur als Anregung sehen: sie sind gehen nämlich nicht mit den deutschen Anforderungen an Anhänger konform. Ryan Mitchels Bücher wie Tiny House Living: Ideas for Building and Living Well in Less Than 400 Square Feet gibt eine phänomenal bebilderte Einführung in das Fantasiereich der Tinyhouses, während Tiny Houses Built with Recycled Materials: Inspiration for Constructing Tiny Homes Using Salvaged and Reclaimed Supplies sich mehr auf die Verwendung von Recyclingmaterialen konzentriert. Gleichwohl es heute sehr wohl moderne und hübsch eingerichtete Tinyhouses jeglicher Art gibt, hat das Thema seinen Ursprung in der Simple Living Bewegung. Das wird inbesondere in Gregory Paul Johnsons Buch: Put Your Life on a Diet: Lessons Learned from Living in 140 Square Feet: Lessons Learned Living in 150 Square Feet deutlich. Auch deutsche Architekten haben sich des Themas angenommen. So hat z.B. Richard Horden das Micro Compact Home (M-CH) mit 7.1 Quadratmeter, einen Wohncubus mit hochfunktioneller Koch-, Hygiene-, Ess- und Schlafgelegenheit für 1-2 Personen geschaffen. Luxuriöser ist da Maxim Kurennoys Futteralhaus Modell FH_25, das immerhin 25 Quadratmeter aufweist – darin soll allerdings auch eine Familie mit zwei Kindern Platz finden. Die meisten Bücher auf Deutsch zu dem Thema beziehen sich auf immobile Häuser. Das finde ich etwas schade, denn eigentlich ist für mich gerade der mobile Charakter von Tinyhouses interessant. Auch interessant ist Van Bos Unreal Estate – insbesondere unter dem Aspekt der Multifunktionseinrichtung.

Immerhin kann man ein Tinyhouse auf einem Campingplatz abstellen oder in einem Schrebergarten – sofern die Gemeinschaft das o.k. findet. Auf baurechtliche Aspekte will ich hier nicht weiter eingehen. Ihr könnt dazu hier, hier und hier mehr lesen. Auf wagendorf.de gibt es außerdem eine Community inklusive Anzeigen für Stellplätze und Teile.

Aber das geht doch nicht mit der Familie!

Doch. Sofern ihr das Englische nicht scheut: hier zwei Videos, die zeigen, dass es auch mit der Familie geht – wenn man nur will!

Und:

Noch sind sie relativ selten, was sicher auch damit zu tun hat, dass das Thema trotzdem noch relativ unbekannt ist und es wenig konkrete Beispiel in der näheren Umgebung gibt.

Wollt ihr ein Tinyhouse testen? Umfrage 

Sofern ihr Interesse an einem Tinyhouse habt, möchte ich euch bitten an folgender Umfrage teilnzunehmen.  Wenn das Interesse groß genug sein sollte, möchte ich dazu versuchen Workshops zu organisieren oder sogar eine kleine Tinyhouse Wohn- und Feriensiedlung planen. Aber alles nach einander. Danke für eure Teilnahme!

Habt ihr Interesse an Tinyhouses?

View Results

Loading ... Loading ...

Tinyhouse Interessentenliste

Wer erfahren will, wie es an dieser Stelle mit dem Thema bei uns weitergeht, der möge sich dazu gerne auf der dazu speziellen E-Mail-Liste anmelden. Das ist nicht die genughaben-Newsletterliste! Ihr bekommt nur Tinyhouse-News.

Anmelden zur Tinyhouse-Liste

* erforderlich


Weitere Quellen

5 Gedanken am Freitag – KW 5

Liebe Leute,

hier meine 5 Gedanken zur Woche KW 5.

  1. Wissenschaftliche Entdeckung der Woche: Wer sich schon etwas mit Astronomie befasst hat, der weiß, dass es nicht nur unser Sonnensystem und auch nicht nur die Milchstraße gibt – die im übrigen bereits aus 400 Mrd. Sonnen besteht. Nein, es gibt wiederum Millionen Galaxien, die in größeren Strukturen organisiert sind: Galaxienhaufen, lokale Gruppe, Superhaufen, Super-Cluster und Filamente. Wir gehören z.B. mit zur sog. lokalen Gruppe, die ihrerseits zum Virgo-Superhaufen gehört, der wiederum zum Super-Cluster Laniakea gehört. Die Masse ist im Universum recht ungleichmäßig verteilt. Im sichtbaren Universum ist unlängst eine mit dem Namen Shapley Attractor bezeichnete Region als Gravitationszentrum bekannt geworden. Relativ neu ist die Entdeckung einer rätselhafen Repellerregion, die offenbar eine abstoßende Wirkung entfaltet. Dieser Entdeckung widmet sich dieser Artikel. Ich finde das hochspannend. Sobald es endlich zu einem Paradigmenwechsel in der Physik gekommen ist und wir warpfähig sind, will ich das alle sehen 🙂 –  mit eigenen Augen.
  2. Video-Tipps der Woche: Zurück auf der Erde geht es mit Mobilität weiter. Ja, ich weiß, nicht immer soviel YouTube, Frank. Aber mir haben die Videos beide ganz gut gefallen. WDR-Haushaltscheck zum Thema Fahrrad und E-Bike und ZDF Volle Kanne – Trendfahrzeug Lastenrad mit Joachim Schalke vom ADFC Köln.
  3. Artikel der Woche: Nach so viel Theorie nun etwas Praxis: Im Artikel mit dem etwas reißerischen Titel Warum Ärzte Bodybuilder hassen erklärt mein Trainingskollegen Dominik Dotzhauer, welche Vorbehalte Ärzte in der Regel gegenüber dem Trainieren mit Gewichten haben und warum diese fehlgeleitet sind. Dominiks ist selbst Arzt und Leiter des Dotzhauer Instituts.
  4. Zitat. Abschließend, will ich euch nach der Trainingseinheit mit Dominik noch einmal über folgendes Zitat nachdenken lassen: es noch ein zweites Mal um Mobilität heute. Das Auto wird allmählich zum Fluch. Ich sehe das wie in der Natur: Das Auto ist eine Spezies, die dominant geworden ist. Aber eine dominante Spezies verändert ihre Umwelt so, daß die Umwelt nicht mehr die ist, die sie so dominant gemacht hat. Frederic Vester Zitat – deutscher Biochemiker, Ökologe und populärwissenschaftlicher Schriftsteller (1925 – 2003)
  5. Aufgabe der Woche: Sinnenfreude schenken! Nach so viel Anstrengung etwas Schönes zum Abschluss und die ganze Woche! Nehmt euch jeden Tag 5 Minuten Zeit, um euren Liebsten, eure liebste zu massieren. Ob Rücken oder Füße – das bleibt euch überlassen.

Schönes Wochenende!

Gruß Frank

Mobilität. Eine Reise von Hamburg nach Berlin.

Berlin Skyline

Berlin Skyline: Quelle Wikipedia-Artikel „Berlin“.

Angenommen ihr plant eine Fahrt von Hamburg nach Berlin. Ihr wollt Freunde besuchen. Oder mal wieder richtig feiern gehen auf dem Kudamm. Oder die Freundin besuchen, die dort arbeitet. Oder auf eine Feier mit Verwandten, etwa eine Hochzeit oder ein Geburtstag.

Angenommen ihr habt zwei Fahroptionen: Bahn, Auto oder Bus

Bahn.

Ein ICE-Ticket kostet aktuell (2017) 70 Euro (Sparpreis: 47,90 EUR) für eine Person ohne BahnCard. Die Fahrt dauert 2h. „Happig“, denkt ihr – „Lieber schnell ins Auto steigen“.

Moment! Die Fahrt mit dem Auto wird vermutlich doppelt so teuer! Glaubt ihr nicht? Schauen wir’s uns an!

Die Entfernung beträgt 300km. Das Auto verbraucht 9 Liter. Also 27 Liter auf 300km. Aktuell kostet der Liter 1.4 Euro. Der Sprit nach Berlin kostet also rund 37.8 Euro. Noch liegen wir weit unter dem Bahnpreis. So rechnen viele die Kosten für eine Fahrt. Jetzt noch 2 Mitfahrer und schon sind wir bei bequemen 13 Euro pro Nase. Also nun aber ins Auto… oder doch nicht?! …

Wir haben noch was vergessen! Versicherung, Steuern, Anschaffungspreis, Reparaturen, Inspektionen und Wertverlust.

Eigenes Auto.

Fall 1 Neuwagen mit Vollkasko.

Neuer Mittelklassewagen: 102 PS, 75 KW. Preis 20.000 Euro.
Für den Kredit zu 7% und über 42 Monatsraten habt ihr 4000 Euro angezahlt. Ihr fahrt jährlich 15.000 Kilometer.
Macht inklusive Wertverlust, Versicherung, Steuern, Reparaturen- und Inspektionen sowie Monatsrate 5088 Euro im Jahr.
Für die Fahrt nach Berlin bedeutet das zusätzliche – haltet euch fest – 101.76 Euro!

Fall 2 Gebrauchtwagen mit Teilkasko.

Gebrauchter Mittelklassewagen: Baujahr 2014. 102 PS, 75 KW. Preis 15.000 Euro.
Wieder 42 Monatsraten, wieder 7%. Anzahlung 3000 Euro.
Das sind inklusive Wertverlust, Versicherung, Steuern, Reparaturen- und Inspektionen sowie Monatsrate 3340 Euro im Jahr.
Macht immer noch einen Anteil von 66.8 Euro für die 300km von Hamburg nach Berlin.

In Fall 1 sind die Gesamtkosten (gerundet): 102 + 37 = 139 Euro.
In Fall 2 sind das immer noch (gerundet): 67 + 37 = 104 Euro.

Für drei Personen sind das 47 Euro (Fall 1) bzw. 34 Euro (Fall 2) pro Kopf.
Immer noch billiger als mit dem ICE…

Wesentlich billiger wird die Bahn dann aber, wenn ihr früher bucht. Die Hochzeit des besten Freundes oder der Kusine, der Geburtstag der Großmutter sind ja meist Monate im Voraus bekannt. Eine Woche vorher gibt es nicht selten Karten für 29 Euro. Kinder unter 15 Jahren fahren umsonst.
Wer wirklich oft fährt – etwa um den Schatz jedes Wochenende zu besuchen und Zwischendurch den Liebesschmerz nicht aushält holt sich einfach die BahnCard 50. Die lohnt für Viel- und Spontanfahrer. Der Preis beträgt dann 34,5 Euro, das wird nur vom Gebrauchtwagen mit drei Erwachsenen an Bord ganz knapp geschlagen.

Ein weiterer Aspekt ist zu bedenken: die Autofahrt dauert etwa eine Stunde länger und: man kann sich im Auto nicht entspannen – etwa mit Buch oder Laptop.

Mitfahrgelegenheiten und Gruppenbahnfahrten.

Preislich unschlagbar ist das Quer-durchs-Land-Ticket oder bei anderen Fahrten ein Länderticket. Wer vorher eine Anzeige bei www.blablacar.de schaltet, kann bis zu 4 Mitfahrer mitnehmen und zahlt am Ende 18,4 Euro mit dem Quer-durchs-Land-Ticket oder im besten Falle 8,6 Euro mit einem Länder- oder Wochenend-Ticket. Die Option ist was für Leute mit Zeit. Die Fahrt von Berlin nach Hamburg dauert dann 4 Stunden. Nach meiner Erfahrung lernt man in der Bahn aber meist nette Leute kennen und bekommt so Anregungen für Neues – und bemerkt gar nicht, wie die Zeit umgeht.

Wer kein Auto hat, aber in einem Auto mitfahren will, kann das für einen ähnlichen Preis tun: auch mit der Mitfahrgelegenheit.

Bus

Wer sich den ganzen Trubel sparen will und nur einfach günstig irgendwo hin will und ebenfalls genug Zeit hat (je nach Strecke ne ganze Ecke mehr), der fahre Fernbus.

Mein Fazit

Ich persönlich Reise überwiegend per Bahn oder mit Fernbus. Was auch zu bedenken ist: wer 500 Euro weniger Fixkosten im Monat hat (soviel kosten Autos üblich im Monat), muss auch 500 Euro weniger verdienen – oder kann 500 EUR im Monat sparen und z.B. bei Mintos anlegen

Wer so im Jahr 6000 Euro spart und diese für 12% anlegt bekommt dafür 720 Euro Zinsen im Jahr. Genug Geld für 9 geplante und Bahnfahrten nach Berlin – auch ohne BahnCard oder zig Fahrten mit den billigeren Optionen.

Zusammenfassung:

  • Allein oder mit wenigen Personen im eigenen Auto ist am teuersten. Will man richtig früh finanziell unabhängig sein, sollte man kein Auto besitzen.
  • Günstiger und schneller fährt man mit der Bahn bei früher Buchung.
  • Am günstigsten fährt man per Mitfahrgelegenheit in Autos anderer mit oder in Gruppen mit einem Quer-durchs-Land- oder Länderticket oder mit Fernbus – nur zuhause bleiben ist billiger 🙂

Aktualisierter und erweiterter Artikel vom 04.04.2011.

5 Gedanken am Freitag – KW 4

Liebe Lüd, Macker und Deerns,

hier meine 5 Anregungen zum Wochenende. Viel Spaß, gute Gedanken und guten Geschmack wünsche ich euch!

  1. Video-Tipp der Woche: Superplants – Die blühende Revolution. Pflanzen mit 25%-Nickelgehalt? Glas auf Pflanzen herstellen oder mit Pflanzen Gold gewinnen? Klingt nach Terry Pratchetts Scheibenwelt – denkste!
  2. Gutes Produkt der Woche: Genießen mit gutem Gewissen – Tonys Chocolonely – die wohl beste Schokolade der Welt! Ich konnte es selbst kaum glauben, da ich ja sonst eher dunkle Schokolade esse – Gesundheit und so – aber diese Schokolade macht einfach so viel Spaß, Und Fairtrade ist sie auch – das kann gar nicht schlecht sein – zumindest nicht in Maßen. Die Belgier verstehen ihr Handwerk.
  3. Bilderserie der WocheUrbane Landwirtschaft: Woll-Waschgang durch Saint-Denis. Eine Bilderreihe vom Fotograf Hans Lucas, der ein Jahr lang urbane Schäfer begleitet hat.
  4. Hamburger Lokalnews: Endlich weitere verpackungsfreie Supermärkte in Hamburg. In Altona: Stückgut und in Eimsbüttel: bio.lose. Also Lüd, Mackers und Deern – nicht rumtüddeln: schnappt euch Buddeln, Jutebeutel, Brotdose und Schnappgläser und packt ma‘ rein da! Für Quiddje (Nicht-Hamburger), findet ihr hier eine Liste wo ihr außerhalb Hamburgs verpackungsfrei hökern könnt.
  5. Zitat der Woche: „Das Auto wird allmählich zum Fluch. Ich sehe das wie in der Natur: Das Auto ist eine Spezies, die dominant geworden ist. Aber eine dominante Spezies verändert ihre Umwelt so, daß die Umwelt nicht mehr die ist, die sie so dominant gemacht hat.“ Frederic Vester Zitat – deutscher Biochemiker, Ökologe und Autor populärwissenschaftlicher Werke (1925 – 2003). Das kann man gut in den Städten beobachten. In meiner direkten Wohnumgebung ist für mich schon zunehmend absehbar, dass man vor lauter Autos eigentlich gar nicht mehr fahren kann. Leider nicht nur als Autofahrer, sondern vor allem auch als Fahrradfahrer. Gibt es eigentlich eine Maximalzahl von Autos, die man in einer Stadt anmelden darf? Ich glaube, es macht Sinn über so etwas langsam einmal nachzudenken.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

Formen von Kapital

P. Bourdieu. Quelle: Wikipedia

„There are ecologies without economies. But there are no economies without ecologies.“ – Rhamis Kent

Optimieren statt maximieren – Permakultur-Prinzip

Kapital – der Begriff polarisiert. Weil einige so viel finanzielles Kapital und die meisten gar nichts haben. Erst kürzlich stand in der Presse, dass die 8 reichsten Menschen so viel Besitz hätten wir die ärmere 50% der Weltbevölkerung. Wer das hört, der mag Kapital und Wirtschaft gleich ganz abschaffen wollen. Vielleicht führt aber eine differenziertere Betrachtung dessen, was Kapital alles sein kann jedoch dazu, dass wirtschaftliche Prinzipien nicht allein eingesetzt werden müssen, um finanzielles Kapital zu maximieren, sondern einen Ausgleich zwischen verschiedenen Kapitalformen zu finden. Damit sind wir im Thema.

Formen von Kapital

Unser Verständnis des Kapitalbegriffs ist hauptsächlich von der ökonomischen und finanziellen Dimension geprägt: unter Kapital versteht man in der Regel Geld, Waren oder Produktionsmittel wie Maschinen. Dabei heißt es im Oxford American Lexikon unter Kapital: „Wohlstand in Form von Geld oder anderem Vermögen“ und „eine bestimmte Art wertvoller Ressource“. Es kann also auch um anderes Vermögen gehen. Der Kultursoziologe Pierre Bourdieu meint, Kapital habe viele Erscheinungsformen und der Austausch zwischen Menschen sei nicht allein auf den Warenaustausch beschränkt. Er sieht im Kapital jede Ressource, die Menschen zur Erreichung ihrer Ziele zur Verfügung haben.

Was wäre nun, wenn wir den Kapitalbegriff entsprechend weiter fassen? Es gibt neben finanziellen Kapital auch:

  • individuelles Kapital: gesundheitliches, emotionales, intellektuelles, spirituelles, zeitliches und Erfahrungskapital,
  • kulturelles Kapital: Wissen, Bildung, Charakterbildung, Abschlüsse,
  • soziales Kapital: Beziehungen, politische Strukturen und auch den Besitz Dritter, auf den wir zugreifen können,
  • symbolisches Kapital: wie Prestige oder Ruhm sowie
  • ökologisches Kapital: lebendiges Kapital: Pflanzen, Tiere, Pilze und Erde und lebloses Kapital: Land, Holz, Stein, alle weiteren fossilen und natürlichen Ressourcen)

In unserem kulturellen Paradigma steht das finanzielle Kapital häufig im Vordergrund – zu unrecht! Um wahren Wohlstand, Unabhängigkeit und Zufriedenheit zu erlangen, muss man auf mehr als nur Geld Acht geben. Alle Formen des Kapitals sollten gewürdigt und richtig verwendet werden, denn mit allen diesen Formen des Kapitals kann man sowohl ordentlich umgehen und gut haushalten oder Misswirtschaft betreiben. Optimieren wir stattdessen, so können wir einen Ausgleich erreichen und dafür sogen, dass wir in allen Bereichen im grünen Bereich sind.

Wie Bourdieu schon schreibt, kann man Kapital für den Einsatz von Zielen einsetzen:

  • Durch Einsatz unseres intellektuellen Kapitals können wir lernen und damit unser Wissen mehren, unsere Bildung verbessern und auch einen Abschluss erlangen. Später können wir dieses Wissen einsetzen, um damit Geld zu verdienen oder Erfahrungen zu machen und sind wir gut, in dem, was wir tun, so kann uns das schließlich Prestige einbringen.
  • Wir können unsere Zeit und unsere Erfahrungen einsetzen und diese mit anderen teilen und so Freundschaften aufbauen und damit unser soziales Kapital mehren.
  • Wir können natürliches Kapital wie Erde und Pflanzen einsetzen, um Nahrung anzubauen.

Es ist möglich, die verschiedenen Formen von Kapital sinnvoll wie auch unsinnvoll einzusetzen, um unsere Ziele zu erreichen. Dabei kann es sich reduzieren, erhalten oder mehren.

Bewirkt eine Betrachtung unseres Lebens in verschiedenen Kapitalformen zwingend die vielbeschworene Ökonomisierung und Ausbeutung aller Lebensbereiche? Ich denke, das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir sehen lernen, dass auch unser individuelles, kulturelles, soziales, symbolisches und ökologisches Kapital von echtem Wert ist und wichtig ist, so sehen wir, dass wir davon keines in beliebigem Maße für ein anderes opfern können, ohne Schaden zu erleiden. Manches mag allgemein oder zumindest manchen wichtiger sein als anderen: Gesundheit dürfte wahrscheinlich für jeden einen hohen Stellenwert genießen. Bei Prestige oder auch Geldvermögen mag das unterschiedlich aussehen.

Problematisch ist es, wenn wir zu eindimensional handeln und übertreiben. Wenn wir – wie es heute nicht selten als Ideal dargestellt wird – unsere ganze Zeit, Intelligenz, Bildung, Kraft und Gesundheit einsetzen, nur um Geld zu verdienen, so wird automatisch z.B. unser soziales Kapital leiden und höchstwahrscheinlich auch unser gemeinsames ökologisches Kapital. Wenn wir es total übertreiben, so werden wir auch unser individuelles Kapital ausbeuten und sukzessive „Schulden“ anhäufen, die zu Anfang noch leicht, dann aber immer schwerer zu tilgen sind: diese Schulden nehmen erst die Form einer milden Erschöpfung, dann einer schweren Erschöpfung, gefolgt von Burnout und schließlich ernster werdenden organischen Erkrankungen an. Umgekehrt, kann es aber auch passieren, dass, wenn wir nur noch mit Freunden abhängen und dabei eine gute Zeit haben, wir langsam finanziell in Schwierigkeiten geraten oder gar unser individuelles Kapital nicht pflegen und verlottern. Man kann also in jedem Bereich übertreiben, selbst im ökologischen: würden wir uns nur um die Natur kümmern, würde es uns nicht lange gut ergehen – wobei wir von einem solchen Ungleichgewicht eher weit entfernt sind.  Die Formen des Kapitals hängen zusammen. Sind sind voneinander abhängig. D.h. man kann nicht das eine grenzenlos vermehren, ohne dass andere Formen geringer werden und umgekehrt.

Jede dauerhafte Übertreibung beim Aufbau einer Kapitalform führt automatisch zur Verringerung einer anderen: sie lassen sich nicht alle gleichzeitig maximieren. Sehr wohl aber optimieren, d.h. in ein gegenseitiges Gleichgewicht bringen.

Im Artikel „Sparsamkeit ist nicht gleich Entbehrung“ beschreibe ich das Prinzip der ökonomischen Effizienz. In Kürze besagt es, dass ich mit einer Menge zur Verfügung stehender Mittel eine bestimmte Menge von Gut 1 und Gut 2 produzieren kann. Möchte ich nun doch mehr Gut 1, haben, kann ich das sehr wohl produzieren. Aber ich muss dann gleichzeitig auch eine verkleinerte produzierte Menge Gut 2 akzeptieren. Übertreibe ich, kann es sein, dass ich am Ende nur Gut 1 und gar nichts von Gut 2 habe.

Übertragen wir das jetzt auf unser Leben, so stehen uns verschiedene Formen von Mitteln – hier als Formen von Kapital bezeichnet – zur Verfügung. In unserem kulturellen Paradigma steht das finanzielle Kapital häufig im Vordergrund – zu unrecht! Um wahren Wohlstand, Unabhängigkeit und Zufriedenheit zu erlangen, muss man auf mehr als nur Geld Acht geben. Alle Formen des Kapitals sollten adäquat gewürdigt und richtig verwendet werden, denn mit allen diesen Formen des Kapitals kann man sowohl ordentlich umgehen und gut haushalten oder Misswirtschaft betreiben. Optimieren wir stattdessen, so können wir einen Ausgleich erreichen und dafür sorgen, dass wir in allen Bereichen im grünen Bereich sind.

Wenn wir uns bewusst machen, dass wir mit allen unseren Handlungen unsere verschiedenen Formen von Vermögen beeinflussen, so erkennen wir vielleicht, was von dem, was wir alltäglich tun, tatsächlich mit unserer persönlichen Kapitaloptimierungsstrategie im Einklang steht – und was nicht.

Ein Klassiker ist für mich: Ziel. Eine Strecke von 10km zurücklegen.

  1. Auto => spart Zeit, kostet aber viel Geld und ich bin nicht Herr meiner Zeit
  2. Bahn fahren => spart Zeit, kostet aber Geld, immerhin bin ich aber Herr meiner Zeit
  3. Fahrrad => manchmal ist man langsamer, oft aber spart man in Wahrheit hier Zeit, kostet am wenigsten, ich tue etwas für meine Gesundheit (individuelles Kapital) und für meine Ausgeglichenheit (emotionales Kapital), außerdem bringt es mir bei manchem Prestige ein (so mancher findet es beeindruckend, dass ich 10 oder sogar 20km Fahrrad fahre) und ich wirke weniger negativ auf unser gemeinsames ökologisches Kapital und das wirkt wieder positiv auf mein emotionales Kapital.

Klar, dass ich so oft wie möglich das Fahrrad nehme und am seltensten das Auto.

Alles in allem hilft mir Betrachtung in Kapitalformen dabei mich daran zu erinnern, dass ich es mit wertvollen Dingen in meinem Leben zu tun habe. Vielleicht hilft euch das ja auch!

5 Gedanken am Freitag: KW 3

Liebe Leser,

wieder ist Freitag. Zeit für 5 Anregungen, Lesetipp, wirres Zeug, Artikel und sonstige Dinge, die mir so eingefallen sind und mehr oder weniger mit den Themen Ökonomie im Alltag, Technologie, Nachhaltigkeit, Finanzen und Spaß zu tun haben.

  1. Aufgabe der Woche: Zeichnet jeden Tag ein Bild! Diese großartige Achtsamkeitsübung war JHs Idee und ich möchte sie hier mit euch teilen! Nehmt euch jeden Tag kurz Zeit (gerne auch mehr) und zeichnet etwas ab oder, was euch in den Sinn kommt und hängt die Bilder nebeneinander. Und schaut sie euch dann jeden Tag etwas an. Sehr entspannend und inspirierend. Probiert mal aus, was das mit euch macht und schreibt mir ggf. Mal einen Kommentar oder eine E-Mail!
  2. genugschlafen.de geht an den Start. Zur Entspannung passt auch das nächste Thema: Schlafen! Ein Thema, dass mich seit langer Zeit beschäftigt. Seit längerem arbeite ich an einem Text zu dem Thema. Dieser ist jedoch mit der Zeit immer weiter ausgeartet und auch die Studien, Produkte und eigenen Erfahrungen mit dem Thema sind immer umfangreicher geworden. Daher habe ich mich entschieden diese in strukturierter Weise nach und nach auf dem Portal genugschlafen.de zu veröffentlichen. Noch findet ihr da nur 1-2 Artikel, aber es wird monatlich einen neuen Artikel geben. Falls es euch gefällt, würde ich mich über einen Facebook-Like freuen: hier liken.
  3. Für die Gärtner unter euch: Es ist Zeit zum Vorziehen! Das merke ich jedes Jahr durch die Zunahme von Klicks auf meine Artikeln: Wer sie noch nicht gefunden hat, aber gerne lesen möchte: Die Garten-Saison beginnt. Zeit zum Vorziehen und Vorziehen Runde 2: Frühbeet und Konstruktion zum vertikalen Vorziehen selbst bauen.
  4. Im Artikel der Woche geht es um Soja – Der George Clooney der Hülstenfrüchte – wie Spektrum der Wissenschaft schreibt hat es einen schlechten Ruf – zu unrecht!
  5. Zitat: „Wenn ihr keinen Verkäufer in eurer Nähe seht, dann seit ihr der Verkäufer.“ – Peter Thiel in Zero to One. Thiel beschreibt in seinem Buch in Kapitel 13, dass die meisten Verkauf und Verkäufer nicht mögen. Das drückt sich nach Thiel in der Handlung von Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“ aus, in der sich ein Volk u.a. seiner Verkäufer dadurch entledigt, indem es unter dem Vorwand einer Planetenkolonisierung die Arche B mit Verkäufern, Versicherungsvertreter etc. an Bord ins All vorausschickt, dann aber Arche A mit den Wissenschaftlern etc. und Arche C mit denen die die Drecksarbeit machen nicht hinterhergeschickt. Laut Thiel sind wir immer auch Verkäufer: wenn wir nicht unsere eigenen Produkte verkaufen, vermarkten wir unser Wissen, unsere Ideen, unsere Vorschläge (an unser Team oder unsere Familie) oder uns selbst – auf dem Arbeitsmarkt. Er kommt damit zum Zitat: „Wenn ihr keinen Verkäufer in eurer Nähe seht, dann seit ihr der Verkäufer.“ Gibt mir zu denken.

gehört: Das Leben ist wie ein Schneeball

Wer finanziell unabhängiger werden will, der kommt am Thema Investieren nicht vorbei. Und: Wer sich für’s Investieren interessiert kommt nicht an Warren Buffett vorbei. Alice Schroeder ist Autorin der von Buffett autorisierten Biographie aus dem Jahr 2008, dass auf diversen Gesprächen mit Buffett und vielen seiner Lebensgefährten. Buffett steht seit Jahren regelmäßig in der Liste der reichsten Menschen der Erde. Und: er gilt als der erfolgreichste Investor aller Zeiten, setzt auf Kopfarbeit, statt auf Computer, investiert langfristig und sitzt nicht an der Wall Street, sondern da, wo er 1930 geboren wurde: in Omaha, Nebraska, wo er auch jährlich die Hauptversammlung der von ihm 1970 aus der Taufe gehobenen Holding mit dem Namen Berkshire Hathaway abhält. Aufgrund seiner Treue zu Omaha und seinen legendär gewordenen Aktionärsbriefen (einige wichtige auf deutsch, hier: Die Essays von Warren Buffett), Zitaten und öffentlichen Äußerungen zu Wirtschaftsfragen aller Art und vielen weiteren Themen nennt man ihn auch das Orakel von Omaha.

Mensch: Warren Buffett

Anders als typische Wirtschaftsmagnaten ist Warren Buffett ein Superstar. Er kommt jedoch freundlich und bürgerlich rüber: er wohnt immer noch in demselben Haus, das er 1958 in Omaha für $31,500 Dollar (in 2016-Dollar sind das: $262,343 bzw. €246,320) kaufte, fährt einen Buick SUV und isst gerne bei McDonalds und trinkt für sein Leben gern Cherry Coke. Erst bei Flugreisen wird es anders: er fliegt in einem Privatjet. Sonst preist er einen frugalen Lebensstil und beweist damit, dass er noch immer „einer von uns“ ist. Mittlerweile sind seine jährlichen Hauptversammlungen ein riesiges Event, zu dem 10.000 Besucher und Aktionäre (zu denen ich mich ebenfalls zählen darf) aus aller Welt kommen.

Berkshire Hathaway

Ursprünglich war Berkshire Hathaway eine Textilfirma, die Buffett 1962 im Rahmen seiner Buffett Partnership Ltd. began aufzukaufen. Er bezeichnete sie oft als schlechteste Investition, die er jemals machte. Vielleicht behielt er gerade darum den Namen für seine nun weltberühmt gewordene Holding bei, die heute als eine der größten Firmen der USA und auch der Welt bekannt ist.

Warren Buffett: Aufstieg eines Investors

In der Biographie wird Buffetts Kindheit sowie seine ganze Entwicklung bis ins Jahr 2007 nachgezeichnet. Angefangen hat Warren Buffett mit seiner Investorenkarriere bereits mit 11, als er im Jahr 1942 nur kurz nach Perl Harbour seine erste Aktie kaufte. Buffett ist Sohn eines republikanischen Politikers und Abgeordneten. Im Verlaufe seiner Jugend machte er schon diverse Geschäfte – u.a. verkaufte er zusammen mit anderen Schülern „Die Auswahl der Stalljungen“ – eine auf elementarer Statistik basierende Empfehlung für Pferde beim Pferderennen für 25ct. Findig wie er war, hatte er bereits mit 18 Jahren ein stattliches Vermögen. Weitere Karriereschritte sind seine Studienjahre bei Benjamin Graham, dem legendären Entdecker des Value Investings, das er in Büchern wie „The Intelligent Investor“ (auf deutsch: „Intelligent Investieren„) sowie seinem erstmals 1934 erschienen Werk „Security Analysis“ (auf Deutsch: Die Geheimnisse der Wertpapieranalyse – NB: just Ende 2016 ist eine sehr viel bessere Übersetzung der Ausgabe von 1940 erschienen, als bisher verfügbar war) beschrieb. Security Analysis bezeichnete Buffett schon oft als das wichtigste Buch, das er zum Thema investieren je gelesen habe. Buffett begann seine Karriere dann als Stock Picker – er wählte aus vielen Aktien diejenigen heraus, von denen er glaubte, sie würden sich besser entwickeln als der Rest des Marktes. Dank seinem Gespürs, seiner Erfahrung und seinem Wissen gelang ihm dies sehr gut. Buffett behauptet zwar immer wieder, es gehöre keine besonders überdurchschnittliche Intelligenz dazu, ein erfolgreicher Investor zu sein. Mindestens jedoch scheint er mir außergewöhnlich diszipliniert zu sein, seinen Anlagestil durchzuziehen. Buffett ist ein bekannter Kritiker der Markteffizienzhypothese (EMH): in seinem legendären Artikel „The Superinvestors of Graham-and-Doddsville“ legt Buffett u.a. dar wie unwahrscheinlich es ist, dass so viele Investoren, die wie auch er von Graham und Dodd gelernt haben und deren Lehren konsequent umsetzen so konsequent marktüberdurchschnittliche Renditen einfahren konnten, wenn es nicht möglich wäre, bessere von weniger guten Aktien zu unterscheiden. Zwar wird in vielen Rezensionen zu Buffetts Biographie behauptet, man könne aus ihr wenig über seinen Anlagestil lernen, ich sehe das jedoch anders. Natürlich ist das Buch eine Biographie und kein Lehrbuch und schon gar kein Kochrezept, aber es gibt viel Einblicke in Buffetts Tun, seine Deals und seinen Charakter und der ist beim erfolgreichen Investieren genauso wichtig wie gute Analysen.

Berkshire Hathaway von 1970 bis heute

Über mehrere vorherige Beteilungsgesellschaften von Buffet, kam es 1970 zur Gründung von Berkshire Hathaway. Sein bis dahin schon langjähriger Freund Charlie Munger wurde später Vizevorsitzender und zusammen führen sie die Gesellschaft immer noch. Seit den Anfängen von Berkshire Hathaway als Holding hat sich die Gesellschaft unter dem Management von Buffett und Munger zunehmend zu einer Beteiligungsgesellschaft weiterentwickelt, die vornehmlich ganze Firmen kauft. Mittlerweile sind es über 80 Firmen. Die Beteiligungen, Firmen und Marken, die zu Berkshire Hathaway gehören, lesen sich wie das Who-is-Who der amerikanischen Wirtschaft und Wirtschaftsgeschichte: darunter sind Beteiligungen an American Express, Coca Cola, IBM, Heinz Kraft und Wells Fargo und Firmen wie BNSF Railway, See’s Candies, Fruit of the Loom, Dairy Queen, Lubrizol, Pampered Chef, Kirby, NetJets, General Re, Geico und seit letztem Jahr z.B. Precision Castparts.

Das Buch – eine klare Kaufempfehlung!

Ich fand die Biographie gerade wegen der manchmal kritisierten Länge sehr hörenswert und kann sie zu 100% empfehlen. Zur Person Buffett, seinem Charakter, seinen Eigenarten erfährt man vieles sowie über viele interessante Menschen, die ihn auf seinem Weg beeinflusst und begleitet haben und begleiten: das sind u. a. Susan Buffett – seine erste Frau, die ihn sehr beeinflusst hat und viel philanthropische Arbeit leistete, Benjamin Graham – seinem Mentor, Charlie Munger seinem Freund und Vice Chairman, Kathrine Graham, die viele Jahre Herausgeberin der Washington Post und viel später Bill Gates mit dem ihn bis heute eine enge Freundschaft verbindet), über Bridge, dass Buffett gerne und viel spielt sowie zur Börsengeschichte und ihren Verwicklungen. Das und vieles weitere sind darin in einer sehr gut zuhörbaren Form aufbereitet. Oft hat man das Gefühl, man wäre dabei. Schade, dass es so nicht gewesen ist 🙂

Ich wünsche euch viel Spaß beim Hören oder Lesen.

Hier geht’s zum Hörbuch: Das Leben ist wie ein Schneeball

Hier geht’s zum Buch: Warren Buffett – Das Leben ist wie ein Schneeball

5 Gedanken am Freitag – KW 2 2017

Liebe Leser,

oh ha! Ausgerechnet ein Freitag der 13. and dem ich meine Serie: 5 Gedanken am Freitag wieder aufnehmen möchte – aber da ich ja nicht abergläubisch bin, nehme ich das mal als positives Omen – oder so ähnlich 😉 5 Gedanken am Freitag ist eine Liste von 5 Sachen, die mir diese Woche ein- oder aufgefallen sind, die ich cool, interessant, bedenkenswert fand oder die mir Spaß gemacht haben. Viel Spaß!

  1. Mehr Fokus mit … dem Handy in schwarzweiß. Seit Anfang Dezember verwendet ich jetzt mein Smartphone in schwarzweiß. Es lenkt mich weniger ab und ich greife seltener „einfach nur mal so“ zur kleinen Farbbombe und kann mich besser auf meine Arbeit, meine Gespräche, „auf alles andere“ konzentrieren – außerdem ist es immer wieder ein Anlaß mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Und: es gibt mir das Gefühl ein Held aus einem der 50er Jahre Science-Fiction-Filme zu sein. Wer es ausprobieren mag: hier sind Anleitungen: iOS/iPhoneAndroid. Viel Spaß damit!
  2. Kartenspielen: together apart. Installiert euch Skat LITE von ISAR für das iPhone oder Android. Dann stellt euch einen Laptop daneben, verbindet euch mit euren Freunden per Skype – so könnt ihr dann auch miteinander sprechen. Dann könnt ihr euch noch euren Lieblingsbrowser mit folgenden Videos öffnen: 1) Kaminfeuer: sichtbar, für die gemütliche Optik; 2) Bar Sound als Hintergrundbeschallung und 3) Jazz-Musik als Hintergrundmusik. Schon etwas nerdig, aber sehr unterhaltsam. Sich in der Realität, z.B. mit Kollegen nach der Arbeit hinzusetzen und 10,11 Runden zu kloppen ist natürlich immer noch besser!
  3. Artikel der Woche: Der zerstörerische Traum vom Fortschritt von Niko Peach. Was soll ich sagen? Genau genommen gehen mir Weltuntergangsbeschwörungen auf die Nerven. Gleichzeitig kann man die Botschaft, dass ein endlicher Planet kein unendliches Wachstum hergibt auch nicht in den Wind schlagen. Peach schlägt immer wieder einen Rückbau der Produktion vor, was zu einer 20 Stunden Woche kombiniert mit Eigenarbeit in der Freizeit zu einem menschlich würdigeren Leben und dazu führen soll, dass sich auch Norden und Süden der Welt wieder mehr auf Augenhöhe begegnen können. Schöne Idee und gleichzeitig mangelt mir diese Visionen an positiver Strahlkraft. Ein bessers Verständnis zwischen Nord und Süd ist ja schön, gleichzeitig ist mir das allein immer noch zu pessimistisch und vor allem unkonkret. Wie soll das gehen? Es ist aus meiner Sicht typisch für uns Europäer die Zukunft eher pessimistisch, tiefgrün und ohne große Visionen darzustellen. Was ist nur mit den Menschen seit der Aufklärung geschehen? Denn auch die Amerikaner sind zwar noch optimistisch, aber das ebenfalls recht unkonkret? Mehr Wachstum von was, wohin? Grob gesprochen scheinen mir die Europäer nur zu hoffe, es ginge irgendwie weiter und beten dabei die Natur als neuen Gott an, während  die Amerikaner hoffen, es werde irgendwie besser und beten dazu den Markt als neuen Gott an. Die Menschen im 18. Jahrhundert hatten es weißgott nicht einfacher als wir heute und hatten aber immer eine ganz konkrete Zukunftsvorstellung – die Vorstellung einer besseren Zukunft. Da kommt mir die Darstellung der Freizeitvorteile sogenannten positiver ökologischer Zukunftsvisionen eher bemüht, wenn nicht gequält daher. Wie genau stellen sich diese Vorteile konkret da? Und welche Rolle spielt dabei die Technologie? Sollten wir uns nicht z. B. von alten Mamutstrukturen (Beisiele: zentrale Kanalistation, Wasser- und Energieversorgung, Großstädte, Riesenfabriken) verabschieden und uns mit Hilfe von Miniaturisierung für lokalere, kleineren und technisch besseren Lösungen einsetzen? (z.B. moderne TinyHouses, lokaler Produktion via 3D-Drucker). Und uns nebenher auch die Möglichkeit geben/schaffen uns mit großen Visionen auseinanderzusetzen: Was ist mit Marsmission? Oder der Verlängerung der Lebensdauer? Ich würde ja gerne Niko Peach mit Peter Thiel und John Oliver kreuzen, dann hätten wir vielleicht eine schlagkräftigen Propheten.
  4. Serienempfehlung: Wer sich nach der Peach-Lektür lieber in eine zukünftige Welt stürzen möchte, die zwar auch nicht problemlos ist – was ja auch todlangweilig wäre – dem kann ich die Serie: The Expanse empfehlen. Ich glaube, dass ist die beste Science-Fiction-Serie seit Firefly. Wer beide nicht gesehen hat und sich für Science-Fiction interessiert, hat jetzt etwas zu tun 🙂 Seit ich über die Ferien die Gelegenheit hatte ein paar Folgen von The Expanse zu sehen überlege ich mir ernsthaft dafür Amazon Prime Instant Video anzuschaffen. Ist wirklich extrem gut umgesetzt und beschreibt ein Science-Fiction-Szenario, dass ein ganze Stück realisitischer ist, als Star Trek, Star Gate, Star Wars, Dune u.v.m.
  5. Zitat über das ich in der letzten Woche nachgedacht habe: “There are two ways to get enough. One is to continue to accumulate more and more. The other is to desire less.” C.K. Chesterton

Danke für’s Lesen und ein schönes Wochenende wünsche ich  euch allen!

Frank

Was man durch Sparen erreichen kann.

Finanzielle Unabhängigkeit wird immer als etwas Schwieriges und Mystisches vertanden. Nähern wir uns dem Thema mal etwas anders als sonst. Vergessen wir dazu einmal für den Moment, dass man für angelegtes Geld Zinsen erhält. Man kann nun allgemein sagen, dass wenn man pro Jahr

5% spart, dann kann man nach 19 Jahren ein Jahr frei machen.
10% spart, dann kann man nach 9 Jahren ein Jahr frei machen.
20% spart, dann kann man nach 4 Jahren ein Jahr frei machen.
25% spart, dann kann man nach 3 Jahren ein Jahr frei machen.
33% spart, dann kann man nach 2 Jahren ein Jahr frei machen.
50% spart, dann kann man nach 1 Jahr ein Jahr frei machen.

Interessant wird es jetzt: Spart man

60%, dann kann man nach einem Jahr Arbeit 1,5 Jahre frei machen.
75%, dann kann man nach einem Jahr Arbeit 3 Jahre frei machen.
80%, dann kann man nach einem Jahr Arbeit 4 Jahre frei machen.
90%, dann kann man nach einem Jahr Arbeit 9 Jahre frei machen

Regulär zahlen wir die Hälfte von 18,7% Rentenbeiträgen und die andere Hälfte zahlt unser Arbeitgeber.
Nach circa 42 Arbeitsjahr (von 25 bis 67) ist dann genug gespart, sodass wir bis zu unserem Lebensende (durchschnittlich aktuell: 79,9 Jahre), also noch circa 23 Jahre finanziert sind.

Ohne Zinsen etc. hätten wir – eingedenk der oben dargestellten Prozentzahlen – bei 20% sparen eigentlich nur 10,5 Jahre „frei“ erarbeitet. Wir erhalten jedoch weniger Rente als Gehalt.

Sparen wir nun selbst mehr und legen dies effizient an, so können wir inklusive zu erwirtschaftender Zinsen deutlich früher in Rente gehen.

Sparen wir beispielsweise 2/3 (also 66%) unsere Nachsteuereinkommens, so erreichen wir nach 10 Jahren Arbeit 20 Jahre finanzielle Unabhängigkeit – ohne Verzinsung. Inklusive Verzinsung von 4% erhöht sich die Reichweite um circa 10 weitere Jahre – also insgesamt 30 Jahre. Das ist die „Magie“ des Zinsenszinseffektes!

Ihr müsst euch also fragen, inwieweit ihr gewillt seid euer ganzes Leben zu arbeiten, nur um sich viele Produkte mit geringer Haltbarkeit leisten zu können oder, ob ihr nicht lieber intelligent lebt, weniger Geld braucht und dann viel früher gar nicht mehr arbeiten müsst.

Wenn ihr noch in der Ausbildung seid oder studiert oder damit gerade durch seid: verfallt nicht kurz danach direkt der Mittelschichtstrance und gebt direkt den Großteil euer Lebenseinkünfte für Haus, Möbel, Auto, Elektronik und Urlaube aus. Sondern meditiert etwas länger darüber: immerhin seid ihr aktuell noch einen frugalen Lebenstil gewohnt – noch. Und solange das so ist und so lange ihr das so aufrechterhalten könnt, sollte eine Sparrate von 50% für die wenigsten ein Problem sein.

Zu ersten praktische Beispielen findet ihr hier: Wann bin ich finanziell unabhängig?

Erweiterte Version der ursprünglich am: 24. Mai 2012 @ 06:30 veröffentlichten Version.

2 Tipps für mehr Erfolg mit Vorsätzen

Hallo Leute!

egal, ob es um Vorsätze im Allgemeinen oder um Neujahresvorsätze im Speziellen geht: es gibt Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass ihr euch Ziele besser erreicht.

Über zwei Dinge, die meiner Meinung nach hilfreich sind, spreche ich in diesem YouTube-Video. Es ist btw das erste Video, dass ich im Rahmen diese Blogs veröffentliche. Ich hier habt viel Spaß damit!

Inhalt. In diesem Video erzähle ich von zwei Tipps, die mir selbst geholfen haben Vorsätze so zu formulieren, dass ich sie auch einhalten kann. Es geht 1) um Dr. Gail Matthews Studie zum Thema Strategien um Ziele zu erreichen und 2) das SMART-Konzept zur Formulierung von Zielen.

Quellen:
(1) Link zur Studie von Dr. Gail Matthews: http://www.dominican.edu/dominicannews/study-highlights-strategies-for-achieving-goals
(2) Link zum SMART-Konzept auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/SMART_(Projektmanagement)\

Erste Veröffentlichung am: 30. Dez 2015 @ 20:21