Über mich

Frank_Petra

Ich vor einem der in Fels gehauenen Bauten in der antiken Nabatäer-Stadt Petra in Jordanien. Hier habe ich meinen Permakultur-Design Kurs bei Geoff Lawton, Warren Brush, Brad Lancaster und Bill Mollison gemacht.

Mein Ziel ist ein unabhängigeres und zufriedeneres Leben. Und erreichen will ich das nicht zur Rente, sondern in wenigen Jahren.

Allerdings strebe ich nicht danach Geld allein zu sparen, um mir dann von anderen Zinsen oder Dividenden bezahlen zu lassen – auch wenn das gegenwärtig eine Möglichkeit wäre. Ich glaube nicht, dass dies ein langfristig stabiles Modell ist. Schaut doch hierzu gerne einmal auf Margrit Kennedys Webseite nach oder seht euch die Webressourcen der Kennedys dazu an – hierzu ein Besuchtsbericht von mir.

Ich möchte vielmehr überhaupt meinen Bedarf an finanziellen Mitteln reduzieren. Ein Vorbild ist mir dabei Mark Boyle, der in seinem Buch “Der Mann ohne Geld: Meine Erfahrungen aus einem Jahr Konsumverweigerung” beschreibt wie er ein ganzes Jahr ganz ohne Geld gelebt hat. Ich glaube allerdings nicht, dass sein Lebensmodell auf alle Menschen gleichartig übertragbar ist, eine Inspiration ist es aber allemal. Für eine lebenswerte Zukunft halte ich nicht bloß ein Ökosystem an Währungen – wie es Bernard Lietaer in einem neuen Bericht des Club of Rome “Money and Sustainability: The Missing Link” vorschlägt für notwendig, sondern vor allem eine intensive Beschäftigung des Einzelnen mit dem, was wahre Nachhaltigkeit abseits politischer Augenwischerei und Technikphantasterei heißen könnte. Um diese persönlicheren Herangehensweisen an ein Leben, dass nicht nur grüner sein könnte, sondern das auch eine bessere Balance zwischen Arbeiten und Leben bieten könnte geht es mir. Ich möchte Wissen und Erfahrungen sammeln – und nicht bloß Leser (=Konsument) bleibten – und (z.T. gemeinschaftlich mit anderen) Geld und Ressourcen so effizient und  effektiv benutzen wollen, sodass mein Bedarf an ihnen sehr gering ist im Verhältnis zu den gängigen heutigen Vorstellungen und Verbräuchen.

Ich investiere dazu in eigene Geschäfte, Solarzellen, Warmwasseranlagen, Wald, Gärten und letzteres nicht, weil Land ein tolle Geldanlage (siehe dazu unten (1)) ist, sondern um sie (nachhaltig) zu nutzen.
Wenn ich mehr über mich und meine Bedürfnisse und die meiner Mitmenschen in meiner direkte Umgebung und meine Umgebung selbst lernen kann, dann kann ich mit einem immer geringeren Anteil an Arbeitszeit meinen Lebensbedarf decken.
Hierzu stelle ich bspw. Bedarfsgüter selbst her oder repariere sie selbst. Ich bin aktiv in Tauschringen und tausche gerne etwas Recherchezeit gegen günstige Gelegenheiten, oft second hand. Am wichtigsten ist aus meiner Sicht jedoch die genaue Überlegung, ob man X wirklich braucht. Und diese Frage beantworte ich meist mit ‘nein’.

Es hilft zusätzlich, dass ich nur wenige Dinge in ‘neu’ benötigte. Die Ralley nach jährlich größeren Fernsehern ist mir fremd, ebenso wie jährlich neue Möbel, halbjährich neue Kleidung oder alle zwei Jahre ein neues Auto. Die grundsätzliche Jagd nach Statussymbolen ist mir suspekt. (Warum überhaupt Lebenszeit für Symbole und nicht für Handfestes eintauschen?)

Ich habe etwa 24 Quadratmetern Wohnfläche zur Verfügung, habe aber mit 2 weiteren einen 3000 Quadratmeter großen Garten mit über 70 produktiven Bäumen, Bienen und einer Anbaufläche von 1500 Quadratmeter. Dank Permakultur- und anderen Techniken des zukunftsfähigen Gärtnerns, Imkerns und dem sukzessiven Ausbau handwerklicher Fähigkeiten, kann ich mich zu einem wesentlichen Teil mit Lebensmittel und weiteren Ressourcen selbst versorgen bzw. Teile davon tauschen bzw. verkaufen und das ohne, dass das ein zusätzlicher Vollzeitjob oder mittelalterliche Plackerei nötig wäre.

Dadurch unterscheidet sich mein Lebensstil von 95% der Bevölkerung. Ich gebe mein Geld nicht für neue DVDs oder CDs aus, sondern für Saatgut, Mostereibedarf oder Werkzeug aus. Ist mir doch mal nach einem Film, dann leihe ich ihn mir aus.

Ich fahre am Wochenende nicht zum Shopping nach Berlin und schon gar nicht nach New York (*), sehe mir auch keine ‘besonderen’ Konzerte an, sondern kümmere mich um meine Bienen, Ernte in meinem Garten, baue Öfen, Rocketstoves, lege Bewässerungssysteme an, schreibe Artikel für meinen Blog oder andere Blogs oder treffe mich mit Gleichgesinnten oder tue auch häufiger einen ganzen Tag nicht viel – in allen Fällen kostet das meist kein oder nur wenig Geld.

 (*) Ich kann “Kurztrips” an ferne Orte überhaupt nicht nachvollziehen.

Ich würde nur in die Ferne reisen, wenn ich Menschen vor Ort kennenlernen kann, dort etwas lerne (durch einen Kursus, der nur dort angeboten wird), ich dort etwas Positives tun kann und mir einen Wunsch erfülle. Ein Kriterium allein reicht mir nicht mehr. Wenn ich reise, dann meist auf geringstem Budget. Ich würde beispielsweise eher 1 oder 3 Monate als Freiwilliger beim Global Village Construction Set verbringen, als eine Pauschalreise zu machen.

Ständige Geldsorgen und Schulden sind mir fremd und obwohl ich keine volle Stelle habe, habe ich alles, was ich will und kann mir auch alles kaufen, was ich will. Und da liegt der Unterschied: im Wollen. Ich will die meisten Sachen gar nicht.
Da ich nicht voll arbeite, habe ich Zeit den effizienten Umgang mit Geld und anderen Ressourcen weiter zu verfeinern oder Dinge zu tun, die mir Spaß machen.

Man könnte meinen Lebensstil als frugal bezeichnen, dass heißt jedoch nicht, dass ich kaum etwas habe – auch wenn das während der Studentenzeit auch effektiv einmal so war (*).

Ich besitze mit Sicherheit weniger Gegenstände als die durchschnittlichen Mittelschichtsangehörigen, der grundlegendere Unterschied ist jedoch, dass ich selten viel, oft auch gar nichts dafür zahle. Der jährliche Austausch von Gütern in ‘neu’, der durch 95% der Bevölkerung wie selbstverständlich ausgeführt oder aber mindestens aber gewünscht wird, bewirkt, dass es eine Flut an Gütern gibt, die bloß ein Jahr alt sind im Grunde aber gut funktionieren. Um ‘hip’ zu sein, scheint es den meisten in Ordnung zu sein den größten Teil ihres Leben fremdbestimmt zu verbringen.

(*) Während einer Phase extremen Minimalismus’ habe ich einmal nur soviel besessen wir in zwei Tragetaschen passte – wenn man von einem Bücherregal absieht, dass bei meinen Eltern stand. Auch hatte ich kein eigenes Zimmer, auf der Straße habe ich dennoch nicht gelebt. Eine lehrreiche Zeit.

Ich bin überzeugt, dass die persönliche Misere vieler Menschen und die globalen Krisen eng zusammenhängen. Würden wir mit weniger besser leben als heute, müssten wir auch den Planeten weniger verschmutzen bzw. unsere Gesundheit weniger gefährden.

Ich möchte durch größere finanzielle Unabhängigkeit durch ein Leben in der beschrieben Weise nicht unbedingt erreichen weniger arbeiten zu müssen, sondern darüber entscheiden zu können, was ich tue. Ich will mich engagieren, dass die Welt nicht schlimmer, sondern besser wird. Und ich möchte vieles Lernen. Die Lebenszeit ist nach aktuellem Stand begrenzt und ich möchte lieber Konstrukteur, Wissenschaftler, Autor, Handwerker, Seminarleiter, Kampfkünstler, Lehrer, Gärtner, Berater, Entrepreneur, Freund und Ehemann sein, als einen Mittelstandsjob auf Lebzeit mit eingeschränktem Spezialwissen und eingeschränktem Wirkradius. Ich will diese Rollen alle ein Stück leben und diese nicht bloß in Filmen beobachten und deren Fehlen durch vorstrukturiertes Erleben auf Urlaubsreisen kompensieren.

Seit meinem Chemie-Studiums weiß ich, dass diverse Metalle, Erdöl und viele weitere Ressourcen durch unsere unnachhaltige Wirtschaftsweise knapper werden. Gleichzeitig kann kaum die Rede davon sein, dass alle Menschen versorgt sind und die, die es sind, sind selten bis gar nicht zufrieden. Bis 2009 Jahren habe ich jedoch – wie offenbar allgemein üblich – angenommen, dass sich die Probleme der Ressourcenverknappung – insbesondere der des Erdöls – und des Klimawandels sich entweder durch technischen Fortschritt werden lösen lassen oder die Welt zum Untergang verurteilt ist. Ein Seminar zum Thema “Lösungsstrategien für globale Krisen” beim Physiker und Polyhistor Thomas Fischbacher (hier einige seiner Artikel) hat mir die Augen für einen dritten Weg geöffnet. Seither ist mir die Verbreitung des dort und danach erworbenen Wissens um die multiplen globalen Krisen und den zugehörigen Lösungsstrategien ein persönliches Anliegen geworden. Ich glaube, dass uns das alle etwas angeht.

Die dritte Perspektive umfasst den Aufbau persönlicher und lokaler Resilienz für die ich mich seitdem intensiv interessiere. Persönlichen Resilienz stellt sich als relative (finanzielle) Unabhängigkeit von der Konsumwirtschaft dar, welche in meinen Augen die Ursache für unsere mutliplen Krisen ist und uns gleichzeitig das vorenthält, was sie uns verspricht: Glück und Zufriedenheit. Meine persönlichen Ansichten und Experimente rund um ein unabhängigeres, zufriedenes Leben mit niedrigem Budget und mit niedrigen ökologischen impact, dokumentiere ich in unregelmäßigen Abständen auf meinem Blog: genughaben.de. Die Transition-Bewegung, die ich in Hamburg aktiv mit aufbaue stellt für mich eine kulturellen Gegenstimme dar, die einen freudvollen Wandel von einer überfordernden, konsumorientierten und anonym globalisierten hin zu einer ausgeglichereneren, lokaleren und auf persönlichen Fähigkeiten und deren Austausch in Netzwerken von Bekannten und Freunden bauenden Gesellschaft befürwortet. Ich verstehe sie nicht als einen vollständigen Ersatz der aktuellen top-down Gesellschaftsordnung, sondern als bottom-up Komplement zu ihr. Ich denke, dass – sofern genügend Menschen mit anpacken – ein Wandel hin zu einer glücklicheren und gleichzeitig nachhaltigeren, lokal resilienteren Gesellschaft möglich ist.

Ich bin selbst Jungimker, Kampfsport-Adept, Permakultur-Gärtner, passionierter Fahrradfahrer, koche gerne und freue mich über jedes interessante Gespräch. Bei Transition Hamburg bin ich seit circa einem Jahr aktiv und habe mich 2011 am Bau von Bienenkisten, der Transition-Beet-Pflege im Permakulturgarten des Tutenberg-Instituts für Umweltgestaltung e.V., an der Organisation diverser Vorträge und Filmabende sowie am Aufbau des Garden-Sharing-Netzwerks GrünAnTeil in Hamburg beteiligt und war Mitinitiator  der Übersetzung des Transition-Initiativen Leitfadens sowie der Untertitel des Films In Transition 2.0 ins Deutsche durch Anstoß und Koordination eines crowd sourcing Ansatzes. Weitere Übersetzungsprojekte sind bereits in der Pipeline.

Nach Beendigung meines Master-Studiums in Bioinformatik, Konzeption und Umsetzung eines E-Learning-Systems und Absolvierung meines Permakultur-Design Kurs u.a. beim Erfinder der Permakultur – Bill Mollison – in Jordanien und dem dortigem Besuch der Internationalen Permakultur-Konferenz, baue ich mit Weiteren ein Permakultur-Demonstrationsprojekt Nahe Hamburg bei Pinneberg auf (das auf dieser Reise ausgestoßene CO2 möchte ich in den nächsten Jahren durch Humusaufbau (über-)kompensieren) und plane den Aufbau von Online-Ressourcen rund um das Thema Permakultur. Weiterhin beteilige ich mich an der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen und Seminaren durch das Transition Netzwerk Hamburg.

(1) Im Grunde ist die Idee hinsichtlich verknappender Ressourcen nicht falsch wieder auf Land als Produktionsfaktor zu setzen, der Glaube jedoch Land zu besitzen würde allein ausreichen ist grundfalsch. Ich frage mich immer, wer das Land produktiv nutzen soll, wenn der Erdölpreis immer weiter steigt und Maschinen schleichend immer teurer werden, wo sich doch kaum jemand damit aktiv beschäftigt, ja Gärtnern und die Arbeit mit Landprodukten oft immer noch belächelt werden.
Es wird in Zukunft mehr und mehr auf die kombinierte Anwendung naturwissenschaftlicher und traditioneller Techniken ankommen, um mit sog. mittleren Technologien und low-tech viele der heute unnötig komplizierten Produktionsweisen zu ersetzen. Mikrochips und Stahl werden selbstredend immer noch so produziert werden müssen wie heute, aber muss eine Karotte wirklich um den halben Globus geschifft werden, müssen wir wirklich Düngemittel kompliziert aus Erdöl produzieren? Und benötigen wir im Falle lokalerer Produktion wirklich noch soviele Fahrzeuge und Verpackungen? Und das sind nur die gängisten Frage von vielen tausend, auf die die Antwort u.a. gärtnerische Fähigkeiten sind. Für viele Dinge hat der heutige Kapitalismus großartige Lösungen geliefert, es geht jetzt darum ihn an seinen blinden Flecken so zu ergänzen, dass ein gutes Leben weiter möglich ist bzw. mehr ermöglicht wird. Dazu ist insbesondere zu erkennen für welche Güter eine hochindustrielle Infrastruktur tatsächlich vonnöten ist und für welche das nicht der Fall ist. Gleichzeitig böte die Relokalisierung bestimmter Produktionen eine neue Basis für lokalere Lebensentwürfe und humane Beschäftigungsmöglichkeiten für die, die in Industriejobs keinen Platz mehr finden (Wohin auch als zur Reduktion des Arbeitsvolumens hätte die andauernde Technisierung auf Dauer sonst führen sollen?). Damit wäre sowohl der Umwelt als auch den Menschen gedient. An diesen lokalen Produktionsmöglichkeiten orientieren sich meine (finanziellen, zeitlichen und materiellen) Investitionstätigkeiten und -vorhaben.

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