Auswärts essen?

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Auswärts essen? Quelle: Flickr – Lee Haywood

Für mich gleicht auswärts essen einer Art Hindernislauf ohne Trainingseffekt. Und ich vermeide dies, so gut es geht. Hier erkläre ich, was mir daran missfällt und welche Lösungen JH und ich dieses Wochenende für uns zum Testen gefunden haben.

Neben dem offensichtlichen ripoff, dass ich meist für ein Essen 8+ EUR bezahle, das irgendwas zwischen 1-2 EUR wert ist, weiß ich in der modernen Welt der Systemgastronomie eigentlich kaum noch, was tatsächlich vor mir auf dem Teller liegt oder eigentlich zu genau – seit ich Michael Moss Das Salz-Zucker-Fett-Komplott: Wie die Lebensmittelkonzerne uns süchtig machen gelesen habe.

Es gilt zwar mittlerweile wohl als widerlegt, dass sich unsere Entscheidungskraft im Laufe des Tages oder mit der Zahl bereits gefällter Entscheidungen am Tag reduziert, mich persönlich nerven mehr Entscheidungen aber immer noch mehr als wenige: Ich will nicht erst eine multinomiale logistische Regression machen müssen, um herauszufinden, welche Wahl die Beste ist… wenn es 2 Sorten Kuchen gibt: okay, aber was sollen bitte 20 Seiten Menükarten? Selbst unter optimalsten Bedingungen werden davon doch nicht wirklich mehr als 10% bestellt, oder? Habt ihr in ein und demselben Restaurant wirklich schon mehr als 5 Gerichte bestellt? Oder 3? Ich nicht. Zudem suggeriert das etwas Beliebigkeit; ein Restaurant, dass chinesisches, italienisches und Burger anbietet erscheint zumindest mir suspekt.

Meine größten Schwierigkeiten habe ich allerdings mit “moderne“ Eisläden. Ich war in den letzten Jahren glaube ich 3x Eisessen. Um auch hier den Aufwand klein zu halten, nehme ich immer einen Nussbecher. Kein einziges Mal war es möglich mir einfach einen Nussbecher zu bringen: ich musste die Eissorten, die Soße, die Nussorten zum Bestreuen und weiteres Topping wählen. Möglicherweise empfinden das andere ja auch als Vorteil, kann ja sein und soll mir auch recht sein, aber ich würde gerne – wenn ich schon 5 EUR für etwas kalten Zucker und Fett bezahle mir dafür wenigstens die genaue Zusammenstellung von einem Fachmann abnehmen lassen. Beim letzten Mal habe ich dann einfach nichts genommen.

Auswärtig essen wurde nicht unbedingt einfacher für mich, seit ich beschlossen habe so gut wie keine tierischen Lebensmittel mehr zu essen. Ich verschließe mich dem nicht endgültig, aber wenn ich kann unterlasse ich es. Das heißt, dass für mich die bisherige Standardlösung – Salami-Pizza – eher ausfällt und auch – Vegetarische Pizza – nicht wirklich eine Alternative ist. Ich gebe zu: es gibt heutzutage zunehmend vegane Gerichte und ich bin ja auch nicht völlig festgelegt darauf, aber die Entscheidung bleibt, genauso wie das wissen, dass ich es besser für weniger Geld hätte haben können. Um das Problem so einfach wie möglich zu machen, nehme ich jetzt meist einfach einen dicken Salat oder eben doch die Salami-Pizza – ist ja insgesamt doch nicht allzu häufig.

Komplizierter ist es, dass JH eigentlich gerne mindestens jeden 2. Sonntag mit mir Kaffee trinken und Kuchen essen gehen möchte. Ich berechne dann – wie üblich, was das Kosten würden, wenn man es aus passiven Einnahmen bestreiten müsste: also: 10 EUR * 52/2 Wochen * 25 = 6.500 EUR… heute ließ ich mich weide einmal überreden: und es ist ja auch wirklich nett. Heute haben JH und ich dann aber einmal ernsthaft überlegt wie es anders gehen könnte: ich selbst würde einfach verzichten und hätte damit auch kein so großes Problem, aber an frischer Luft und in der Sonne zu sitzen, etwas zu sich zu nehmen und ein Buch zu lesen, hat etwas für sich, das gebe ich zu: und dann sahen wir einen Mann mit Buch und Thermoskanne an der Alster sitzen und wie es aussieht haben wir jetzt eine Lösung, die alle Probleme löst: wir backen den Kuchen selbst oder kaufen ihn in unserer Bäckerei des Vertrauens für 3 EUR (schon sind wir nur noch bei knapp 2.000 EUR benötigtem Kapital), nehmen uns eine Thermoskanne Kaffee, eine Decke und ein Buch mit. Natürlich könnte man den Kuchen auch gegen selbst gebackenes Brot, Oliven und einen Brotaufstrich der Wahl und den Kaffee gegen Wein eintauschen… ich freue mich schon auf übernächsten Sonntag. 

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