Kinder im Sinne der Permakultur erziehen

Liebe Leute,

die Gestaltungsansätze der Permakultur lassen sich auf beliebige Themengebiete anwenden, von denen Gärten nur die üblichsten wie in den meisten Permakultur-Kursen oder -Büchern berichtet wird. Gestern und vorgestern habe ich die Prinzipien auf finanzielle Belange der Einzelperson übertragen. Ich freue mich, dass Martin Wehning, der diesen Blog schon mit zahlreichen interessanten Kommentaren bereichert hat, dass sich die Permakultur und ihre Prinzipien auch auf die Pädagogik anwenden lassen. Ein Gebiet auf dem es mir eindeutig an Erfahrungen fehlt. Daher vielen Dank dafür.

Martin ist ausgebildeter Gärtner, Buchbinder und hat Soziale Arbeit studiert und hat praktische Erfahrungen in den verschiedensten Bereichen der Pädagogik. U.a. betreute jahrelang eine Wohngemeinschaft von Alkoholikern und beschäftigt sich neben vielen Themen, zu denen auch die Permakultur gehört auch mit der äußert schwierigen Problematik der Kindererziehung. Viel Spaß beim Lesen.

Wie wir unsere Kinder im Sinne der Permakultur erziehen

Wenn von Permakultur die Rede ist, wird oft über Gartenbau und Landwirtschaft gesprochen. Als Beispiel für Kreislaufprozesse, nachhaltiges und ressourcenorientiertes Arbeiten macht dies auch Sinn.

Ich möchte hier aber versuchen, Parallelen zu einem anderen Bereich, der Pädagogik, herauszuarbeiten. Die Grundgedanken der Permakultur sind nämlich m.E. viel zu wertvoll, um sie nur auf Pflanzen und Tiere zu übertragen.

Welche Prinzipien der Permakultur lassen sich also auch auf die Erziehung von Kindern anwenden? Hierbei geht es mir nicht um das Abarbeiten der „Goldenen zehn Regeln der Permakultur“, eher um Gedankenanstösse.

  • Ich kann nicht den Anspruch haben, Garten oder Kinder vollständig zu verstehen und somit Verläufe planen zu können, muss immer wieder mit verblüffenden Entwicklungen, dynamischen, unkontrollierbaren Prozessen rechnen.
  • Ich werde u.a. deswegen immer wieder Fehler machen, weil ich nie genau weiss, wie sich mein Einfluss auswirkt.
  • Mein Handeln hat immer Neben-, Seitenwirkungen, gut gemeinte Handlungen können schädlich sein, Negatives kann unter Umständen förderlich werden.
  • Je genauer ich plane, desto mehr Planungsfehler schleichen sich ein (kann jeder nachvollziehen, der sein Kindergartenkind schon mal für die Uni angemeldet hat).
  • Ich habe also nie den ganzen Prozess „im Griff“, muss vielmehr immer wieder „nachjustieren“ bzw. umsteuern.
  • Ein kurzfristiger Nutzen kann langfristig extrem schädlich sein.
  • Generalismus hilft oft weiter als Spezialistentum.
  • Prozess- statt Ergebnisorientierung

Aus diesen wenigen, angedeuteten Punkten lassen sich Konsequenzen ableiten, die eben bei Gartenbau und Kindeserziehung wichtig sind – wie übrigens auch bei Wetterbeobachtungen, Börsenspekulationen, Teamprozessen, also beim Umgang mit allen komplexen Systemen.

  • Entscheidend für einen hilfreichen, sinnvollen Umgang mit Garten wie Kindern (Menschen) ist die Grundhaltung. Diese muss von Respekt, Neugier und einer gehörigen Portion Bescheidenheit geprägt sein.
  • Fehlerfreundlichkeit- es lässt sich gar nicht vermeiden Fehler zu machen, wichtig ist, aus diesen zu lernen.
  • Weniger ist oft mehr- das Bemühen um ein Verständnis des Systems kann sehr viel aufwendiger sein als die jeweiligen Interventionen.
  • Gutes Timing ist wichtig. Es reicht nicht, das Richtige zu tun, das wird es nämlich erst, wenn es auch im richtigen Moment getan wird.
  • Die Zeitperspektive berücksichtigen: die Langzeitperspektive ist wichtiger als die kurzfristige; Konflikte mit Kindern können z.B. ein Zeichen sein, dass die Kinder ernst genommen werden wollen. Eine süße Soße der Harmonie (kurzfristig natürlich angenehmer) ist es nicht!
  • Eine Orientierung nur an Ergebnissen kann irreführend sein. Wichtiger als eine gute Schulnote ist, dass die Kinder eine angemessene Arbeitshaltung und Motivation erlernen.

Es gibt eine ganze Wissenschaft zum Umgang mit komplexen Systemen: die Systemtheorie. Für mich eine ausserordentlich fruchtbare Theorie zum Verständnis und Umgang mit im Alltag wichtigen Bereichen. Gerne möchte ich mich gelegentlich weiter hierzu äussern.

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