Was ist Permakultur?

Permakultur

Permakultur (Quelle: Titelbild des Buches: „Permaculture: a designers Manual“)

Seit ich 2009 auf die Permakultur gestoßen bin und 2011 Bill Mollison getroffen haben, hat sich mein Verständnis von dem, was Permakultur ist und soll gewandelt. Nicht alles, wo Permakultur drauf steht, ist auch welche drin und auch die Originallehre hat so ihre Mängel. Dennoch gehört das Konzept der Permakultur zu einem der hoffnungsvollsten Denksysteme, die mir bisher begegnet sind. Bevor ich aber meine Sicht erkläre werde, hier nun ein Artikel, der sich mit der Herkunft der Permakultur beschäftigt.

„Permakultur“ ist ein Kofferwort aus „permanent“ und „Kultur“.

Die Permakultur ist im Kern keine eigene wissenschaftliche Methode, macht aber Anleihen in verschiedenen Disziplinen. Insbesondere der Systemtheorie. Ich selbst würde sie als Sammellehre bezeichnen. In einem Interview mit Bill Mollison dem Begründer der Permakultur bemerkte Frank London, das die Permakultur zwar auch auf wissenschaftlichen Prinzipien und Forschung gegründet sei, jedoch auch Anleihen an traditionellem und indigenem Wissensgut mache. Mollison erklärte diesen vermeintlichen Widerspruch folgendermaßen:

„Wenn ich eine alte, in einem Weinhein sitzende Griechin frage: „Warum pflanzen Sie Rosen zwischen die Weintrauben?“ und sie antwortet: „Weil Rosen die Ärzte des Weines sind: der Wein wird krank, wenn ich keine Rosen dazwischen pflanze“, mag das nicht unbedingt etwas heißen. Wenn ich aber herausfinde, dass die Rose bestimmte chemische Substanzen über die Wurzeln abgibt, die wiederum durch die Wurzeln des Weines aufgenommen werden und die bewirken, dass infolgedessen die weiße Fliege dem Wein fernbleibt – was einer wissenschaftlichen Erklärung desselben Zusammenhanges gleichkommt – dann habe ich etwas sehr nützliches“ (1)

Bill Mollison

Bill Mollison bei seiner Keynote-Präsentation auf der Internationalen Permakultur 2011. (Quelle: ich selbst)

1959 erforschte Mollison in den Regenwäldern Tasmaniens die Wechselwirkung zwischen Beuteltieren und Waldregeneration. Die Wiederaufforstung des Waldes verlief recht erfolglos. Mollison entwickelte unter Verwendung ökologischen Wissens ein System aus 23 Baumspezies, von denen am Ende nur vier dominant und nur zwei wirklich nützlich für die Beuteltiere waren. Der Erfolg kann damit erklärt werden, dass Wälder eine Entwicklung (Sukzession) durchlaufen. Der Fehler der bei dem Wiederbewaldungsprojekten begangen wurde lag darin, dass versucht wurde direkt die Bäume zu pflanzen, die am Ende der Sukzession in einem Wald dominieren. Soll jedoch ein Wald auf unbewaldeter Flur entstehen, so müssen zunächst Spezies gedeihen, die den Boden verbessern und die Bedingungen schaffen, die die späteren Bäume benötigen (z.B. mit Stickstoff anreichern, bestimmten Pilzen Heimstatt geben, die Mineralien aufschließen und wachsenden Bäumen zugänglich machen usw.) Mollison konstruierte ein System basierend auf den Interaktionen der Spezies und war damit erfolgreich. Nach diesem Erfolg sah sich Mollison mit der Absurdität konfrontiert, dass die Menschen zwar seit 7.000 Jahren ökologisches Wissen sammelten, jedoch die Landwirtschaft dann nicht im Sinne dieser Erkenntnisse organisierten. Warum baute man keine Systeme, die ökologischen Regeln folgen? Unsere landwirtschaftlichen Betriebe ähneln vielmehr großen Laboratorien, in denen mit hohem Aufwand Bedingungen hergestellt (Düngemittel, maschinelle Bodenbearbeitung) und erhalten (Pestizide, Herbizide, Fungizide) werden. Diese Eingebungen führten Mollison zu der Erkenntnis, dass auch landwirtschaftliche Systeme im Sinne der (ökologischen) Interaktion ihrer Komponenten [der Spezies] gestaltet werden könnten.
Eine der Grundidee der Permakultur als gestalterische Wissenschaft war geboren.

Schockiert durch den Bericht des Club of Rome aus dem Jahre 1967 (*), zog sich Mollison zunächst für eine kurze Zeit zurück: die Prognose, dass die Umwelt unter dem Druck des Bevölkerungswachstums und dem damit verbundenem Aufbrauchen der Ressourcen zusammenbrechen werde, trieb Mollison davon: „Ich dachte, ich sollte gehen und mich auf einen Hügel setzen und zusehen, wie alles zusammenbricht“, sagte er.

(*) Für interessiert: es existiert dazu bereits eine aktuellere Version, die zeigt, dass wir leider nicht wesentlich besser dastehen, als die Prognosen von damals suggeriert haben – obgleich in den letzten 40 Jahren eine Zeit beispielloser Verleumdung und Selbstbetrug hinsichtlich der Sicherheit unserer Versorgung mit Ressourcen war. Das scheint sich zum Glück nun langsam zu ändern.

Jedoch kehrte Mollison schon drei Wochen nach diesem trübseligen Moment wieder zurück. Ihm war klar, das niemand im Sinne seiner Ideen dachte und handelte. Und wenn er dies ändern wollte, dann müsste er lehren. Und das tat er dann auch. Auch schrieb er ein Buch, dass er „Permaculture: A Designers‘ Manual (deutsche Version: Handbuch der Permakultur-Gestaltung) nannte: „Zu meinem Erschrecken, schienen sich die Leute dafür zu interessieren [Gelächter]. Ich bekam tausende Briefe mit Sätzen wie: „Sie drücken da etwas aus, dass ich schon seit Jahren im Kopf hatte“ und „Sie haben mir etwas in die Hand gegeben, mit dem ich wirklich etwas anfangen kann.“ (1)

NB: die beiden Bücher sind mittlerweile sauteuer. Wenn ihr nach einem guten Einstiegswerk sucht, dass einen gartenorientierten Zugang zur Permakultur bietet, dann kann ich euch das Buch von Eduard und Gerada Kleber „Gärtnern im Biotop mit Mensch: Das praktische Permakultur-und Biogarten-Handbuch für zukunftsfähiges Leben“ empfehlen. Auch wenn darin auch nicht alles steht, ist es der deutschsprachige Klassiker zur Permakultur, der seinesgleichen sucht.

1981 erhielt Bill Mollison für seine Arbeit zusammen mit Patrick van Rensburg den Alternativen Nobelpreis. (2)

Kennzeichnend für die Permakultur ist das Denken in Kreisläufen und Systemen, sowie eine Kombination von Verhaltensweisen, die noch vor 80 Jahren als weitgehend normal galten mit ein paar modernen Technologien und Ansichten. Nichts ist genuin Permakultur, das sagt Mollison an verschiedenen Stellen selbst.

Die Permakultur hat sich rasant entwickelt: es gibt Aktive auf allen fünf Kontinenten. Einen Überblick über internationale Projekte bietet z.B. the Worldwide Permaculture Global Network. Einige der Projekte im Deutschen Sprachraum sind hier zu finden: nachhaltigBeobachtet. Ich arbeite selbst seit 2011 an einem Permakultur-Projekt in Hamburg mit und habe, ebenfalls 2011, meine Grundausbildung (PDK) u.a. bei Bill Mollison, Geoff Lawton und Brad Lancaster gemacht.

(1): http://permaculture.org.au/2011/07/12/permaculture-a-quiet-revolution-an-interview-with-bill-mollison/ ; neben den Zitaten sind auch im Fließtext einige Teile durch das verlinkte Interview inspiriert, jedoch teilweise verändert.

(2): http://en.wikipedia.org/wiki/Bill_Mollison

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3 Kommentare zu Was ist Permakultur?

  1. Claudia Kupka sagt:

    Hallo,
    soweit ich weiß werden die Rosen in den Weinberg gepflanzt weil sie früher als die Reben an Mehltau erkranken und somit als Indikator dienen um noch rechtzeitig spritzen zu können. Stimmt das mit den Wurzelausscheidungen oder ist das nur ein Hypothetisches Beispiel?
    LG
    Claudia

    • genughaben sagt:

      Hi Claudia,

      ich muss ehrlich gestehen, dass ich das aus dem Interview von Jack London mit Bill Mollison an dieser Stelle nur einfach übersetzt habe. Auf die Schnelle konnte ich keine allelopathische Beziehung zwischen Rose und Wein finden. Einzig konnte ich Hinweise auf die von dir erwähnte Beziehung der Pflanzen finden. Ich nehme daher an, dass das Beispiel inhaltlich falsch ist. Ich schaue mal, ob ich ein anderes finde. Die faktische Ungenauigkeit vieler Äußerungen in der Permakultur-Szene hat mir das Gebiet in der Vergangenheit schon etwas verleidet. Der Artikel hier ist eine Republikation aus dem Jahr 2011. Da hätte ich noch einmal einen Faktencheck machen müssen.

      Danke jedenfalls für deinen Kommentar!
      Liebe Grüße
      Frank

    • Hermann sagt:

      Ich kann Claudia hier zustimmen. Das Rose-Weinstock Beispiel ist wirklich nur eine Mehltau Beziehung und keine chemische zwischen den Pflanzen.

      Es gibt noch zwei andere chemische Beziehung die relativ wissenschaftlich abgesichert sind und das ist die Walnuss, die Juglone in den Blaettern beinhaltet. Juglone wiederum behindern das Wachstum von vielen Pflanzen.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Allelopathie

      Das andere sind viele Eukalypten, die wachstumsbehindernde Substanzen in ihren Blaettern erzeugen und diese Blaetter regelmaessig abwerfen.
      http://www.publish.csiro.au/paper/BT9900245.htm

      Man muss immer nachpruefen was der Bill so von sich gibt 🙂

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