Warum ich keinen Handyvertrag habe.

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Nokia Smartphone Destruction. (Quelle: YouTube, CC-Lizenz)

Ich hatte insgesamt drei Handyverträge: einen bei O2, einen bei Alice (die bedauerlicherweise 2011 zu O2 wurde) und einen bei Vodafone. In dieser Zeit habe ich – wie wahrscheinlich die meisten Bewohner Deutschlands zwischen 15-40 EUR pro Monat für Mobilkommunikation ausgegeben. Seit Mitte 2015 sind es zum Glück nur noch bei durchschnittlich 4 EUR pro Monat. Einen Vertrag habe ich noch länger nicht mehr. Für das Gerät gehe ich zusätzlich von 5 EUR Kosten aus, sodass ich mir alle 4 Jahre für 240 EUR ein neues Telefon kaufen kann. Man kann natürlich auch 500EUR+ für ein Mobiltelefon ausgeben – und ich habe das in der Vergangenheit auch gemacht – aber außer Google Maps und die Telefonfunktion selbst, habe ich außerhalb von WLAN-Reichweite einfach einen viel zu geringen Bedarf.

Was – wie bei mir sooft – mit einer Challenge begann, 1 Monat kein Mobiltelefon zu benutzen, verwandelte sich zunehmend in Gewohnheit. Während der Challenge machte ich folgende Beobachtungen:

  • Ich bin 8 Stunden bei der Arbeit. Dort gibt es einen Festnetzanschluss über, den ich erreichbar bin. Außerdem gibt es WLAN.
  • Zuhause bin ich 14-16 Stunden. Davon schlafe ich 7-8 Stunden. In der Wachzeit von 5-8 Stunden, habe ich zuhause einen Festnetzanschluss und WLAN zur Verfügung.
  • Effektiv müsste ich also für 0-3 Stunden, die ich durchschnittlich im Alltag nicht zuhause bin 15-40 EUR bezahlen. Für mich lohnt sich das nicht.
  • Wenn ich einige Tage im Garten oder im Urlaub bin und unbedingt meine telekommunizieren zu müssen, habe ich immer noch die Möglichkeit eine zeitlich begrenztes Minutenkontingent oder eine Flatrate zu buchen.

Nur minimalistisch ist jedoch meine Motivation keinen Mobilfunkvertrag zu haben nicht, wie ich zugeben muss. Ich habe auch erst überlegt, ob ich den folgenden Abschnitt dieses Postings überhaupt schreiben soll, denn eigentlich schimpfe ich nur ungern – abgesehen vom Konsumismus, Eigenheimen, … Ein weiterer Grund für mich keinen Mobilfunkvertrag mehr zu haben ist Ärger mit Mobilfunkanbieter – insbesondere O2 – zu vermeiden. Denn wenn ich nur 10 Euro pro Stunde Ärger rechne, dann kam ich vermutlich auf zusätzliche 30-40 EUR kosten pro Monat, als ich noch einen Vertrag hatte.

Wie es scheint ist es bedauerlicherweise ein schwierigeres Unterfangen korrekte Rechnungen zu stellen. Mir fällt keine nachhaltige Motivation für eine derartige Strategien ein, aber wenn ich tippen muss, dann auf kurzfristige Gewinnmaximierung, denn langfristige Strategien sollten auch die Zufriedenheit von Kunden mit einschließen. Aber Kundenzufriedenheit scheint keine blaue Strategie zu sein. Zu so einer Strategie passt es auch, dass man per E-Mail prinzipiell niemanden erreichen kann und per Telefon praktisch auch nicht: ich habe mehrmals 30 Minuten in einer Warteschleife gehangen. Und, nein, nein, nein, nicht nur von Zuhause, sondern auch im Partnershop! Die Betreiber erklärten mir, dass auch sie so gut wie nie jemanden in der “Zentrale” erreichen. Stromberg?! Blieb noch der Postweg,  der für mich jedoch auch nur selten zum Ziel und zumeist nur unter Androhung juristischer Schritte – zumindest in meinem Fall. Nicht zuletzt habe ich es auch erlebt, dass ich auf einmal angeblich irgendwelche Services gebucht haben soll, die dann 6 oder 8 Euro pro Woche kosten sollten, das konnte ich jedoch glücklicherweise abwenden, was aber neuerliche unerwünschte Schreibaktivität mit sich brachte. Auch bei Kündigungen und der Zusendung von entsprechenden Bestätigungen hatte ich mehr als einmal Probleme.

Wie dem auch sei, mir ist bewusst, dass ich keine repräsentative Stichprobe bin und es auch Pech sein kann. Aber als jemand, der sich selbst seit Jahren beruflich mit Datenanalyse beschäftigt, bin ich schon zu der Theorie gelangt, dass ich im Wege einer Analyse einem Kundensegment zugeordnet wurde, dass ich als “Kann man leicht ausnehmen” benennen würde. Bei solchen Kunden macht man dann einfach 10x so viele “Fehler“ als beim durchschnittlichen – was selbstredend auch die Statistik nicht allzu sehr in Mitleidenschaft zieht. Den einzigen langfristigen Kontakt, den ich mir noch vorstellen kann, ist der als Eigenkapitalgeber.

Sofern es derlei Kategorisierung gibt, trage ich dafür selbst die Schuld: Ich hatte eine ganze Zeit, bevor ich mich dafür entschloss keinen Vertrag mehr zu haben, schon überhöhte Rechnungen gehabt und war jedoch dummerweise davon ausgegangen, dass ich diese noch beliebig viel später beanstanden könnte. Tatsächlich liegt die Frist jedoch bei in der Regel bei 8 Wochen. Schaut mal in eure Verträge! Das ist zumindest ein Fall, wo einem die fehlende Mindestspeicherfrist (formerly known as Vorratsdatenspeicherung) nervt. Das da noch niemand als Argument drauf gekommen ist…

Auch unabhängig von einer hypothetischen Kategorisierung oder dem Umstand, dass ich einfach Pech gehabt haben mag, sind mir die Zusatzkosten, die ein Handyvertrag für mich mit sich bringt zu hoch für die Services, die ich in den paar Stunden Abwesenheit von Zuhause oder der Arbeit zu zahlen bereit bin. 

Sofern ihr auf euren Handyvertrag nicht verzichten wollt:

  • Ladet euch alle Rechnungen herunter und heftet diese ab (ob digital oder physisch).
  • Fordert vollständige Verbindungsnachweise.
  • Prüft eure Rechnungen regelmäßig: ihr könnte mit zahlreichen Apps euer Telefonierverhalten von eurem Gerät tracken und so leicht Abweichungen bzgl. der Rechnungen feststellen, ob das juristischen Wert hat weiß ich nicht, aber immerhin gibt euch das Hinweise.
  • Habt ihr eine fehlerhafte Rechnung, dann beanstandet diese sofort! Am besten per Einschreiben.
  • Sofern ihr auch für den Konfliktfall – nicht nur mit Hinblick auf Mobilfunkanbieter – gewappnet sein wollt: schließt eine Rechtsschutzversicherung ab.

Sofern ihr auf euren Vertrag verzichten wollt, kann ich als zusätzliches Sicherungssystem (vor allem auch gegen übermäßigen Konsum) empfehlen eine Prepaid-Karte zu verwenden und auf die Option einer automatischen Wiederaufladung zu verzichten. Klar, ihr müsst dann von Hand aufladen, aber ihr erspart euch damit sehr viel anderen möglichen Ärger. Ich genieße es sehr, dass ich seit mehr als 12 Monaten zumindest keinen neuen Ärger mehr mit Telefonanbietern habe – und nur sehr geringe absolute Kosten.

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2 Kommentare zu Warum ich keinen Handyvertrag habe.

  1. Peter sagt:

    Und hast du das selbe Dilemma nicht auf mit deinem Festnetz-/DSL-Anbieter?
    Zumindest mein Ärger mit O2 bezog sich komplett auf meinen Festnetzanschluss und so war ich sehr glücklich, als ich die Alternative easybell gefunden habe. Die benutzen zwar die Infrastruktur von O2, aber servicetechnisch und von der Übersichtlichkeit her ein ganz anderer Schnack. Mal abgesehen von besseren Preisen, sehr rasanter Kündbarkeit und insgesamt äußerst transparentem Auftreten.
    Sowas suche ich ja noch für meinen Prepaid-Mobilanbieter…

    Ein Smartphone ohne Mobildaten zu verwenden sehe ich für mich noch nicht. Dafür bin ich dann doch zu sehr auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen und da erweist sich die App als sehr praktisch. Ausserdem Ist der Punkt Online-Messenger (in diesem Fall Threema) auch noch ein Punkt. Letzten Endes spare ich damit ja wiederum, im Vergleich zur Nutzung der guten alten SMS, Geld.

  2. Peter sagt:

    Das kann ich ganz nach vollziehen, bei dem Ärger den du mit dem Mobilfunkanbieter hattest. Aber auf ein Handyvertrag würde ich trotzdem nicht verzichten. Ich bin leider zum Prepaid aufladen zu faul deswegen habe mich für einen Vertrag entschieden den man monatlich kündigen kann. Sollte ich mit dem Anbieter ärger haben dann kann ich jederzeit wechseln.

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