Aussortieren und Aufräumen: Wie mit Nostalgie umgehen?

Angelrolle_Grossvater

Die Angelrolle meines Großvaters.

Eine ganze Reihe von Sachen, die ich in den letzten Jahrzehnten bei jedem Wohnungsumzug mitgeschleppt habe, haben rein nostalgischen Wert. Manche davon haben vielleicht auch einen unmittelbaren Verwendungszweck, aber ich verwende sie seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten nicht mehr.

Die Angelrolle meines Großvaters

Einer dieser Gegenstände ist eine Angelrolle. Mit dieser Angelrolle habe ich vor 25 Jahren zusammen mit meinen Großvater in Dänemark geangelt. Jedes Mal, wenn mir die Angelrolle beim Aufräumen oder beim nächsten Umzug durch die Hände glitt, musste ich daran denken, wie ich mit meinem Großvater auf dem Kai stand, etwas weiter hinter uns Häuser und vor uns die nicht ganz so ruhige See und grandioses Sonnenwetter. Nach einigen Stunden hatte ich etwas am Haken: “Ich hab’ einen, ich hab’ einen”, rief ich. Mein Großvater half mir beim Einholen. Es war ein Silberbarsch. “Das ist ein edler Fisch” sagte mein Großvater mehrere Male und ich war sehr stolz! Ich hatte den einzigen Fisch geangelt an dem Tag. Mir tat es zwar Leid, den Fisch zu töten und auch beim Essen war mir etwas mulmig, aber alles in allem hatte ich diesen Tag als einen sehr besonderen Tag in Erinnerung. Es war noch zu einer Zeit, als mein Großvater noch fit war und viel mit uns unternahm und uns zeigt, wie man mit Werkzeug arbeitet und uns Geschichten von früher erzählte.

Letztlich ist es dieser schöne Sommertag und dass mein Großvater stolz auf mich war, für etwas, was auch er gern tat, weswegen ich die Angelrollen 25 Jahre lang aufhob. Jetzt habe ich aber erkannt, dass es letztlich um diese Geschichte und nicht mehr um die Angelrolle ging. Mein Leben soll kein Museum lebloser Gegenstände sein, die irgendwann von meinen eigenen Kindern oder Enkeln in Müllcontainern entsorgt werden. Stattdessen habe ich die Geschichte aufgeschrieben, die nun auch – sofern daran Interesse bestehen sollte – einer meiner Nachfahren oder auch andere Menschen lesen können, um zu schauen, wer wir waren und was uns wichtig war.

Ich werde das jetzt in Zukunft auch so für andere Gegenstände machen und kann auch euch nur ermutigen das auch zu tun. Es macht Freude, die alten Erinnerungen aufzuschreiben!

Für mich ist das eine gute Lösung. Und ich hoffe, dass die Angelrolle, die ich nun verkauft habe, noch einem anderen Jungen, Mädchen oder Erwachsenen zu einem Erfolgserlebnis – mit Freunden, Vater oder Großvater verhelfen wird!

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3 Kommentare zu Aussortieren und Aufräumen: Wie mit Nostalgie umgehen?

  1. Erika sagt:

    Hey,
    vielen Dank für diesen Beitrag.
    Er war für mich sehr inspirierend. Ich habe mich das erste Mal fürs Fasten entschlossen und heute den vierten Tag dabei.
    Für mich ist es erstaunlich wie ein innerer Reinigungsprozess sich sehr schnell auch im Außen zeigt: ich fange an zu entrümpeln und alten Kram zu entsorgen. Es ist eine Pracht!
    🙂
    Und die Idee die Geschichten dazu aufzuschreiben – wenn es denn welche gibt – finde ich klasse.
    Man könnte auch Fotos machen und ein „Andenken- Fotobuch“ zusammen stellen.

    Vielen Dank auch für deine anderen Blogbeiträge. Ich lese sie gerne und mit Interesse.

    • genughaben sagt:

      Liebe Erika,

      Danke für deine netten Worte!
      Finde es interessant, was du über das Fasten erzählst: das es dir hilft zu entrümpeln. Auch deine Idee mit dem „Andenken-Fotobuch“ finde ich sehr schön: so könnte man aus den Geschichten und Bildern ein persönliches Buch gestalten.

      Herzliche Grüße
      Frank

  2. Saskia sagt:

    Je mehr ich über die „Aufschreiben-von-Erinnerungen“-Idee nachdenke, desto besser gefällt sie mir 🙂
    Denn genau solche Dinge fallen mir schwer wegzugeben/zu entrümpeln.

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