Die intrinsischen Kosten einer Küchenmaschine.

Brotbackmaschine.

Brotbackmaschine. (Quelle: Wikipedia)

Diese nun folgende Geschichte handelt von einer Brotbackmaschine, könnte sich jedoch ebenso auf für jedes beliebige andere Konsumgut gelten wie jedes andere Küchengerät oder Unterhaltungselektronik  usw.

Irgendwo in einer modernen Konsumgesellschaft :

Ich gehe in ein Geschäft und kaufe eine Brotbackmaschine. Ich habe so ein Gerät jetzt schon oft bei Bekannten im Einsatz gesehen und finde das total praktisch.

Das Gerät kosten 50 Euro bei Aldi. Ist ja fast geschenkt – damit kann ich ja nun jeden Tag Brot backen! Eine billige Brotbackmischung kostet weniger als ein Euro. Teurere kosten 2-4 Euro.

Super: 1 Brot = 1 Euro! Beim Bäcker sind das mindestens 2 Euro, eher aber sogar 3 Euro.

Über zwei Monate verwende ich das Gerät 5 Mal und kaufe hin und wieder noch Brot vom Bäcker – zum Vergleich.  Bald schmecken mir die Aldi-Brotmischungen nicht mehr so gut. Und, wenn ich teurere Mischungen nehmen würde, wäre das genauso teuer wie beim Bäcker. Mhm.
Auch muss ich das Gerät nach dem Verwenden immer putzen… ich will das Gerät wieder verkaufen.

Ich schaue bei Ebay und Amazon, ob ich das Gerät verkauft bekomme. Ebay: Mhm, drei Gebrauchtgeräte ab 5 Euro… Naja, mal bei Amazon gucken… Amazon: Mhm, von den Billiggeräten gibt es hier keine Angebote. Aha, für teurere Geräte hätte ich noch mehr als die Hälfte des Geldes wiederbekommen. Leider habe ich ein billiges Gerät gekauft…

Gut, dann stelle ich das Gerät in der Küche in einen Schrank. Der wird dadurch zwar noch voller, und ich komme an die Pfannen nicht mehr ganz so gut ran, aber was soll’s.

Kosten / intrinsische Kosten

Die Brotbackmaschine hat mich 50 Euro gekostet (extrinsische Kosten) und ich habe Sie fünf mal verwendet. Ich bekomme das Gerät nicht/schlecht verkauft. Ich behalte das Gerät daher.

Geld
Kosten pro Gebrauch: 50 Euro / 5 Mal = 10 Euro. Also 10 Euro für einmal Brotbacken!
Kosten für Brotbackmischung und Arbeitszeit sind da noch nicht drin!
Um das Gerät zu bezahlen, muss ein Durchschnittsverdiener 3,5 Stunden arbeiten (1).

Platz
Ich verstaue das Gerät in der Küche, wo es Platz wegnimmt.
Ich komme so schlechter an andere Geräte heran und kann dort keine anderen Dinge mehr verstauen.

Diskussion

Ein möglicher Einwand ist: „Gut, dann steht eben ein Gerät herum, na und?
Leider stehen die meisten Häuser und Wohnungen überwiegend mit Sachen voll die gar nicht bzw. kaum benutzt werden.
In der Folge werden ganze Zimmer – besonders im Keller oder auf dem Dachboden – als Abstellkammern verwendet – für die Miete, Heizung gezahlt werden müssen und für die Regale, Schränke und andere Unterbringungsmöbel gekauft werden müssen. Auch andere Räume wie die Küche, das Wohnzimmer, die Schlafzimmer etc. müssen auf die Dauer größer werden um den Besitz, den man „für den Fall das…“ aufbewahrt, unterbringen kann.

Je mehr dort steht, desto schwerer ist es Ordnung zu halten und umso länger dauert es, wenn man etwas suche, dass man tatsächlich brauche.

Effektiv bedeutet das: „Hätte ich weniger Sachen, könnte ich in einer kleineren Wohnung wohnen.

Besser ist es: Sachen zu entrümpeln –  zu verkaufen, zu spenden, zu verschenken – zur Not in den Müll – und ein (oder mehrere) Zimmer zu vermieten, in eine kleinere Wohnung umziehen oder sinnvoller zu nutzen. Und: kaufen sie nächstes mal mit mehr Bedacht!

Tipps:

  1. Kauf besser übelegen, vielleicht vorher ein Gerät leihen und ausprobieren.
  2. Gebraucht kaufen ist viel günstiger!
  3. Für diesen speziellen Fall: Brot „klassisch“ im Ofen backen – dann braucht man kein Gerät zu kaufen. Einfach im Internet recherchieren – es ist nicht schwer!
  4. Bei einem Kauf weitere, intrinsischen Kosten überdenken hier: Unterbringung, Ordnung, ggf. anteilig Heizen, Zeitbedarf.
  5. Abzuschätzen wieviele Stunden man für eine Anschaffung arbeiten muss (ich stelle bald eine noch bessere Methode zur Berwertung finanzieller Kosten vor).
  6. Kosten pro Nutzung berechnen! Nicht immer nur Kosten pro Tag, Monat oder Jahr berechen, sondern die Kosten pro Benutzung erwägen (im Beispiel: 10 Euro pro Backen!).
  7. Vorher gucken wieviel ein Gerät/Gegenstand bei Wiederverkauf bringt. Das ist eine gute Orientierung für den späteren Wiederverkauf – ich kaufe nur Sachen, die ich auch wieder verkaufen kann. Selbst wenn man dafür ggf. mehr zahlen muss, kann man den späteren Verkaufserlös gegenrechnen und kommt damit meist auf niedrigere Kosten – und man hatte während man den Gegenstand besaß einen hochwertigen!

Diese Gedanken kann man in dieser oder angepasster Form auf sehr viele andere Produkte übertragen. Meine Favoriten sind der Eierkocher (Jeder kann vier Minuten in einem Wecker einstellen und währrenddessen ein paar Eier in Wasser kochen) und die Kaffee-Maschine (ich habe einen Kaffeefilterhalter mit waschbarem Textilfilter). Kauft man für 700 Euro ein High-End-Gerät muss man schon allein 700 Kaffee trinken, damit „einmal Kaffeekochen mit der Maschine 1 Euro kostet“ (dazu braucht man circa 2 Jahre) – dazu kommen dann noch Kosten für Wasser, Strom und Kaffeepulver bzw. Kaffeebohnen, die Säuberung der Maschine und ggf. noch Milch und Zucker.

Quellen / Kommentare

(1) Die extrinsischen Kosten sind die, die auf dem Preisschild stehen. Die intrinsischen Kosten sind alle weiteren, versteckten Kosten im Produkt wie: Lagerungskosten, Gebrauchstkosten etc.
(2): Das durchschnittliche Brutto-Einkommen liegt in Deutschland bei 3707 Euro (3). Netto sind das bei Steuerklasse 3 2500 Euro netto (4). Bei 180 Stunden im Monat kommen wir auf einen Netto-Stundenlohn von ~14 Euro. Für die Brotbackmaschine, die 50 Euro kostete sind das dann: 50 Euro / (14 Euro/Stunde) = 3,57 Stunden, also ungefähr 3,5 Stunden.
(3) Statistisches Bundesamt: Siehe in dieser Tabelle unter Haushaltsbruttoeinkommen für 2008.
(4) Zur Berechnung des Bruttolohns, siehe hier:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,223811,00.html
http://www.focus.de/finanzen/steuern/gehaltsplaner/brutto-netto-rechner_aid_28104.html

Am 14.03.2011 geschrieben.

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2 Kommentare zu Die intrinsischen Kosten einer Küchenmaschine.

  1. Katharina sagt:

    Guten Morgen, hab mich sehr über den Artikel gefreut und füge ihm noch hinzu, dass die Herstellung des überflüssigen Gerätes und dessen spätere Entsorgung Ressourcen verbraucht, die Umwelt belastet und (speziell bei Billigware) oft unter schlechten Bedingungen produziert wird. Und das alles für „fünfmal 10-Euro-Brot“.

    Ich habe vor Jahren alle elektrischen Helfer (bis auf Kühlschrank, Herd, Ofen und Wasserkocher) aus der Küche verbannt und kann behaupten, dass eigentlich nur ein elektrisches Rührgerät wichtig ist. Sahne schlagen per Handrührgerät ist echt ’ne Herausforderung… 🙂

    • genughaben sagt:

      Hallo Katharina,

      freut mich, wenn ich dir eine Freude machen konnte! Und eine gute Ergänzung von dir. Bei dem Rührgerät gebe ich dir recht. Wenn man Geräte tatsächlich gebrauchen kann, dann muss man sich auch sicher nicht in allem beschränken. Schade ist es nur, wenn Küchen verstopft, Konten überzogen und wieder ein halber Liter Öl dafür verbraucht wurde, dass in ein paar Jahren nur wieder ein Stück Plastik auf einem Müllberg herumliegt.

      Viele Grüße
      Frank

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