Das richtige Fahrrad – Teil 2 – Ergonomie.

Fahrrad-Fachbegriffe

Das Fahrrad mit Fachbegriffen für seine Teile. (Quelle: Wikipedia)

Damit ein Fahrrad gut passt, sollten seine Maße gut zu unserem Körper passen, sodass wir  unseren Körper nicht zu sehr dem Fahrrad anpassen müssen. Ob ein Fahrrad zu uns passt und inwieweit wir uns doch der Geometrie des Fahrrades anpassen müssen, hängt von unseren Körpermaßen und dem Verwendungzweck ab. Wichtige Faktoren dabei sind u. a. die Sitzposition, die Rahmengröße oder die Sitzlänge. Aber der Reihe nach.

Sitzposition

Je sportlicher wir unterwegs sind, umso höher wird der Sattel im Verhältnis zum Lenker liegen und destor größer wird der Abstand zwischen Sattel und Lenker sein, damit eine gebeugte, windschnittige Fahrposition erreicht werden kann.
Die Beugung des Rückens kann jedoch – gerade bei einem weniger gutem Trainingszustand oder bei hohen Fahrdauern – etwa auf einer ausgedehnten Wochenendtour – jedoch auch Probleme machen. Die natürliche S-Form des Rückens wird eher in einer sitzenden – ideal in einer liegenden – Position unterstützt.

Verwendungszweck

Grundsätzlich muss zunächst der Anspruch an die Verwendung geklärt werden, denn es gibt kein Rad, dass alles gleich gut kann. Wollen wir sportliche, „normal“ oder komfortabel unterwegs sein? Wollen wir mit dem Fahrrad Dinge transportieren können bzw. viele Stunden entspannt damit fahren können – wie etwa auf einer Reise? Oder wollen wir nur schnell von A nach B – wie etwa morgends zur Arbeit oder beim sportlichen Training? Soll das Fahrrad überwiegend in der Stadt bzw. auf Straßen oder auch im freien Gelände verwendet werden?

Natürlich gibt es noch viele weitere Kritierien: z.B. die Mitnahme in der Bahn (Klappräder gelten z.B. im zusammengeklappten Zustand nicht mehr als Fahrräder, sondern als Gepäckstück und dürfen dann auch zu Fahrradmitnahme-Sperrzeiten mit in U-, S- und sonstigen Bahnen mitgenommen werden).
Auch auf Tandems, Lastenfahrräder für Transportmassen bis 200kg oder auch Radball-Räder sollen hier keine große Rolle spielen. Auch E-Bikes möchte ich nicht weiter besprechen, da E-Bikes über kosmetische Gründe hinaus wegen ihrer Motorunterstützung meiner Meinung nach nicht mehr so notwenige Unterschiede in der Geometrie in Abhängigkeit von der Nutzungsanforderung erfordern wie das bei normalen Fahrräder der Fall ist.

Fahrrad-Typen

Die Komfortablen: Citybike, Scooter und Hollandrad.

Auf kürzeren Strecken mit Gepäck und auf Straßen eigenen sich insbesondere Citybikes, Scooter und Hollandräder. Die Bereifung macht jedoch auch gelegentliche Wochenend-Ausfahrten ins Grüne mit. Mit einem Sattel deutlich unter dem Lenker ist die Sitzposition aufrecht und komfortabel und verspricht einen rückenschonenden Transport.

Vielkönner Trekking-Fahrrad

Für mittlere und lange Strecken und etwas zügigere Fahrweise eigenen sich Trekking-Fahrräder. Auch sie sind meist durch Gepäckträger auf Zuladung ausgelegt. Die Sitzhaltung ist immer noch recht komfortabel da, der Sattel höchstes so hoch liegt wie der Lenker. Sie ist so gewählt, dass man für geringe Abstrichen beim Komfort maximale Leistung und ein breites Verwendungsspektrum realisieren kann. Auch querfeldein lässt einen das Trekking Fahrrad nicht im Stich. Das Trekking-Rad ist in meinen Auge am ehesten der Alles-Könner unter den Fahrrädern. Wer nicht lange nachdenken möchte und viele Einsatzmöglichkeiten im Blick hat, entscheidet sich wohl am besten für ein Trekking-Fahrrad.

Wenn Geschwindigkeit zählt: Rennrad, Fitness-, Speed-Bike und Cyclocross.

Wer schnell bis sehr schnell lange Strecken zurücklegen möchte, für den führt der Weg nicht an einem Fahrrad mit sportlicher Geometrie vorbei. Sei dies ein Rennrad, ein Fitness- oder Speed-Bike oder ein Cyclocross. Wer sich ein Rennrad auswählt, muss bedenken, dass deren Rahmen – sofern nicht aus Carbon oder selten aus Stahl gefertigt – aufgrund des meist verbauten Aluminiums sehr steif sind und damit jede Unebenheit des Bodens an die Knochen des Fahrers weitergeben. Fahren auf Straßen sollte daher auf dem größten Teil der Strecken gut möglich sein. Auch ist die Sitzhaltung sportlich: die Sattelhöhe liegt z.T. deutlich über des Lenkers und macht daher eine gestreckte Haltung des Rückens notwendig. Die veränderte Sitzpostion bewirkt auch ein verändertes Belastungsprofil beim Fahren. Nehmen bei aufrechteren Sitzpositionen auch noch große Teile der Rückenmuskulator am Fahren teil, sind in der sportlichen gestreckten Position mehrheitlich die Beine gefordert. Bei Umstellung kann dies zunächst zu ungewohntem Muskelkater führen. Allerdings ist nach einer Anpassung schneller eine größtere Strecke schneller bzw. ermüdungsärmer zurücklegbar. Wie bei Sportwagen auch, ist die Zuladung minimal – im Extremfall bis auf eine Trinkflasche im Grunde nicht vorhanden. Breiter einsetzbar mit Abstrichen bei der Geschwindigkeit sind Fahrräder mit Rennradgeometrie und etwas breiterer Bereifung. Es gibt etwa Cyclocross, die sogar den Anbau eines Gepäckträgers für Fahrradtaschen ermöglichen. Um jedoch dem Zweck der schnellen Enfernungsüberwindung gerecht zu werden ist von allzu schweren Lasten abzusehen. Neben einer klar sportlichen Ausrichtung sind Fahrräder mit Rennradgeometrie im Alltagseinsatz für die Überwindung größerer Strecken – etwa für Berufspendler, die wenig Gepäck benötigen – ebenfalls geeignet. Es ist allerdings zu bedenken, dass ggf. eine Dusche nötig ist.

Hügel, Berge, Gelände: Mountain-Bikes

Für hügeliges bzw. bergiges Gelände und grobe Untergründe eigenen sich Mountain-Bikes. Meist sind sie stärker gefedert. Vom Zuschnitt können sie sowohl eine moderate bis eine sportliche Sitzposition unterstützen. Neben den hier vorgestellten Modellen gibt es natürlich noch viele weitere und zu den benannten und nicht benannten zudem diverse Unterarten, auf die ich hier jedoch nicht eingehe. Jeder wird bei ausgibiger Recherche das passende Fahrrad finden.

Konkrete Maße

Sofern die Verwendung und damit die Wahl einer Fahrradklasse feststeht gibt es individuelle Anforderungen, die sich aus den Körpermaßen des Verwenders ergeben. Wichtig ist Gesamtkörpergröße, die Schrittlänge (Abstand von der Scham bis zum Boden), die Oberkörperlänge und die Armlänge. Von ihr hängen die zu wählende Rahmengröße, die Oberrohrlänge, der Abstand zwischen Sattel und Lenker und die Länge des Vorbaus (Höhe des Lenkers) ab.

Auf dieser Seite finden sich Hinweise für die Rahmengröße in Abhängigkeit von der Körpergröße bzw. der Schrittlänge. Eine deutlich detailliertere Berechnung der benötigten Fahrradmaße in Abhängigkeit der perönlichen Körpermaße erhält man auf dieser Seite (Englisch; competetive und eddy fit sind beide für sportliche Verwendung. Der french fit eignet sich auch für z.B. Trekking-Fahrräder).

Alles in allem geben einem diese Rechner jedoch nur einen groben Eindruck und können ausgiebiges Testen nicht ersetzen. Bei Gebrauchträdern ist das sicher schwierig. Wer aber vorher Fahrräder verschiedener Größen und Klassen aus Geschäften probegefahren hat, weiß dann auch bei Gebrauchträdern besser Bescheid (*). Wichtig ist noch zu sagen, dass die meisten Räder aus Geschäften “Räder von der Stange” sind – sie sind nicht spezifisch an den eigenen Körper angepasst, sondern passen zu Durchschnittskörpermaßen. Es kann somit sein, dass sie sich mit dem zweiten erwähnten Rechner ihr spezifisches Idealmaßrad ausgerechnet haben, dieses aber in keinem Geschäft finden. Die Lösung ist Fahrräder zu testen, deren Maße am nahesten an diesen Maßen liegen. Letztlich ist das entscheidend. Wer dennoch ein Rad mit idealem Maßen haben möchte, kann sich auch sein Wunschfahrrad anfertigen lassen. Die Preise beginnen dafür zumeist bei rund 800 Euro. Das kann sich jedoch lohnen, sofern man viel Rad fährt.

(*) Manche Fahrradhändler sind für Probefahrt-Wünsche zunächst weniger offen. Hier kann z.B. das Hinterlegen eines Pfandes helfen.

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